Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Die Assimilirnng in Sprache und Sitte ist übrigens bei den Juden nicht nen und hat stets zu ihrem materiellen Wähle beigetragen. So waren die Juden inSpanien hoch in Ehren, woselbst sie sich eben in Sprache und Sitte der übrigen Bevölkerung assimilirteu. Dies war auch der Fall im alexaudrinischen Zeitalter, wo die Juden griechisch sprachen und schrieben. Im römischen Zeitalter hingegen finden wir ein abschreckendes Beispiel, wohin die Nichtassimilirung führt. — In Rom nämlich finden wir, wie aus Horaz und Tacitus zu ersehen ist, die Juden zu Zeiten des Augustus und später verachtet und zurückgesetzt. Und tatsächlich treffen wir aus jener Zeit lateinisch schreibeirde Juden nicht. Der Vorzug des richtigen Sprechens und Schreibens in der Landessprache, und die Assimilirung in Erziehung und Sitte wird aber eben nur durch den Besuch gemeinsamer Volks- und Mittelschulen erzielt. Ja, ich denke, daß der künftige Religionslehrer in Galizien dann geachtet sein und mit Erfolg wirken wird, wenn er neben seiner hohen Intelligenz, auch fähig sein wird, in der Landessprache Vorträge zu halten. Am Schlüsse bitte ich um Vergebung, wenn ich Fehler aufgedeckt, und manches freie Wort gesprochen. — Mein Herz schlägt warm für unsere Glaubensgenossen, aber mögen wir nur stets bestrebt sein, unsere Fehler nicht zu verdecken, sondern zu beseitigen. — Worratsschau. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in Derlin, den hervorragende Männer unter Führung von Prof. Gueilt und Kickert gegründet haben, fordert Männer aller Parteien auf, angesichts der so stark betriebenen antisemitischen Agitation und der massenhaften Verbreitung antisemitischer Schriften, namentlich in ländlichen Bezirken, sich znr Abtvehr in Wort und Schrift zusammenzuthun. Hoffen wir, daß unsere christlichen Mitbürger, in deren Mitte sich Männer von Klang und Bedeutung aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes befinden, in ihren edlen Bestrebungen reiche Förderung finden, damit sie erfolgreich auftreten können. An und für sich ist diese erfreuliche Thatsache ein Zeichen. dafür, daß die lichten Errungenschaften unseres Jahrhunders noch in Deutschland eine Heimstätte haben. — Der Centralansschuß des deutschen Rabbinerverbandes hielt jüngst in Serlin mehrere Sitzungen ab. Es sollen in Zukunft in zwanglosen Heften die Mitglieder über dieThätigkeit des Verbandes auf dem Laufenden erhalten werden. Es wurde auch die Gründung einer Verbandskasse für Wittwe» und Waisen von Rabbinern und für erwerbsunfähige Rabbiner beschlossen. Ferner wurde eine Petition an das Abgeordnetenhaus über den Schulgesetz-Entwurf betreffend Religionsunterricht abgeschickt. Herr Rabb. Dr. Maybanm brachte den Antrag, eine deutsche Pessachhaggadah herauszugebe». Herr Dr. Hambeiger stellte den Antrag, eine Statistik über jüdische Volks- und Religionsschulen anzulegen. Herr Dr. Feilchenfeld aus Schwerin beantragte die Gründung einer Lehrerbildungsanstalt. Herr Dr. Külf aus Branuschweig sprach für Gründung von Vereinen zur Hebung des Handwerks unter den Juden. — Der Ausschuß des D. I. Gemeiudebuudes in Herlm hat eine Petition an das Abgeordnetenhaus gerichtet, zum Zwecke der klaren, unzweideutigen Fassung eines Punktes im Volksschulgesetz-Entwurf, betreffend den Religionsunterricht, da der Satz „Grundsätzlich soll kein Kind, welches einer vom Staate anerkannten Religionsgesellschaft angehört, ohne den Religionsunterricht 6*