Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- 6ö - Ich will es versuchen manches hierüber anzudeuten: Die Cheders, die unglückseligen Erziehungsanstalten der Inden sind leider ein noli me tangere. — Hier könnte nur die Negierung eingreifen. Ferner ist der niedrige Stand der Gewerbe und des Ackerbaues gerade ein Punkt, wo mit Energie manche Hilfe geleistet werden könnte und segensreich wäre die Leitung der Juden auf die Bahil der Gewerbe und des Ackerbaues. — Hier eben hat die Wiener Alliance Jsraelite ein fruchtbares Feld und die Macht in hohem Grade Ersprießliches zu leisten. Ja ich möchte sogar behaupten, daß die Alliance hier allein und nur hier ihre ganze fruchtbringende Thätigkeit für Galizien konzentrire» müßte und es würde diese Thätigkeit von unberechenbaren Folgen sein. In dieser Beziehung muß ich noch Folgendes anführen: Hier in Tarnopol besteht seit vielen Jahren eine kleine Filiale der „Alliance Jsraelite" und hat diese seit dem Bestände derselben in zahllosen Berichten die Aufmerksamkeit der Alliance darauf geleitet, daß ihre einzige Thätigkeit in Galizien darin bestehen müßte, der agronomischen und gewerblichen Heranbildung unserer Glaubensgenossen hilfreich entgegenzukommen. Die Alliance hat die Richtigkeit dieser Ansichten eingesehen, verfügte aber bis jetzt nicht über die nötigen materiellen Mittel. Dieser ungünstige Umstand hat sich in der letzten Zeit glücklicher Weise geändert, indem Herr Baron Hirsch der Alliance große Summen zur Verfügung gestellt und vor einigen Monaten waren wir höchst erstellt von der Alliance die Mitteilung zu erhalten, daß sie nunmehr geneigt sei, für die gewerbliche und agronomische Heranbildung der jüdischen Jugend .wirksam einzuschreiten, daß wir sichere Aussicht habe», schon für das neue Schuljahr eine Gewerbeabendschule zu erhalten, daß nebstbei auch Kinder bei Meistern bestimmter Gewerbe in die Lehre auf Kosten der Alliance gegeben werden und daß diesen nach beendigter Schule und dreijähriger Lehrzeit auch Stipendien zur Fortbildung erteilt werden sollen. ' Auch eine Ackerbauschule mit Versuchstation stellt uns die Alliance für später in Aussicht. Die Gewerbeabendschulen werden, meine Herren, sehr ersprießlich sein. In denselben lvird Kindern, welche bei Meistern in der Lehre sind, in drei Jahrgängen, während der Abendstunden, in geometrischem Zeichnen, lvie auch im Zeichnen von Ornamenten, in der polnischen und deutschen Sprache, in den Anfangsgründen gewisser Realien und auch in der Religion — alles in polnischer Bortragssprache-Unterricht erteilt. Wir haben nun Aussicht, die Gewerbeabendschule, und später auch eine kleine agronomische Schule mit einer Versuchstation zu erhalten. Der diesbezügliche ausführliche Plan ist der Alliance längst vorgelcgt worden, und wie man mir in Wien wiederholt mitgeteilt, haben wir gegründete Aussicht, die Gewerbeabeudschule schon demnächst zu erhalten. Was nun das Nebel des zu frühen Heiratens aulangt, so können nur bessere Lehren und eine feinere Erziehung dem wirksam entgegentreten und heilsam abhelfen. Die Erfahrung lehrt ja, daß exceptionelle Gesetze keine Rettung bringe», weil sie rundweg umgangen werden, denn solche einschränkende Gesetze haben sich sinder stets als undurchführbar, und die angedrohte Ungiltigkeit der Ehe als mi- M^ksam erwiesen.