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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-03-01 · Heft 3 (1.3.1891) · p. Seite 61

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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Verkennung langsam aber sicher zu den Zielen gelangt, die sein innerer unsterblicher Gehalt ihm verbürgen und jetzt sind es hinwiederum „Ernste Gedanken"*) die in christlichen Kreisen nicht geringes Aufsehen erregen, weil deren Verfasser- Herr M. v. Egidy aus Großenhain, welcher eine hohe militärische Stellung einnahm, der er wegen dieser Schrift verlustig ging, nicht zu den negierenden, zersetzenden Naturen gehört, die sich über alles Hergebrachte hinwegsetzen, welcher hiermit den Waffen einer inneren Überzeugung, die jedes seiner Worte durchzieht, gegen den Glauben an Christus als Gott auftritt. Herr v. Egidy fühlt warm und denkt scharf und bringt das zu Ausdruck, was viele Christen teils iu klarer Empfindung, teils in unklarer Ahnung erfüllt und wirkt darum so mächtig ein, weil, wie er sich selber ausdrückt, er nicht zerstören, sondern aufbauen will. In der klassischen Periode des Judentums war es. etwas Selbstverständliches, daß die Männer, die auf der hohen Warte des Geistes standen, Ausschau hielten unter den sie umgebenden Völkern, daß sie den Puls schlag der Zeit belauschten, daß sie sich nicht national verengten, sondern in immerwährendem geistigem Verkehr mit der sie umgebenden Welt verblieben, wodurch das Judentum jene geistige Vertiefung und jene weltumfassenden Gedanken erhielt, die es unzerstörbar niachen und ihm eine ewige Zukunft verbürgen. Aus diesem Grunde allein schon verdient die Schrift Egidy's in jüdischen Kreisen, wo der Ruf nach Reform und nach einer ehrlichen, friedlichen Auseinandersetzung mit dem Christentume mächtigen Widerhall gefunden, die liebevollste Beachtung, wenn wir auch weit davon entfernt sind, uns in die inneren Angelegenheiten des Christentums zu mischen, wozu uns jede Berechtigung abgeht. Folgen wir nun den Ausführungen des Verfassers, der nicht leichtsinnig zur Feder gegriffen, sondern von heiligem Ernste und von glühender Begeisterung für die Religion erfüllt von dem Verlangen beseelt ist, daß sich alle Christen im reinen, wahren Christentume zusammenfinden. Ausgehend von dem Gedanken, daß die Kirche in ihrer heutigen Gestalt ihren Beruf, zu sammeln und zu erleuchten, nicht erfülle, erblickt der Verfasser die Ursache hiervon in dem geforderten Glaubensbekenntnisse „an Jesum Christum, wahrhaftigen Gott vom Vater in Ewigkeit geboren." Dieser Gedanke bildet den eigentlichen Kernpunkt der Schrift, von der man sagen kann, daß eine unbewußte Sehnsucht nach dem positiven Reformjudentnm sie durchziehe, das berufen sein lvird, in den religiösen Fragen, die die Welt bewegen, ein entscheidendes Wort zu sprechen. Herr v. Egidy erblickt in der Religion keine Einrichtung, sondern die Bewahrung des göttlichen Funkens, der ursprünglich in jedem Menschen lebt, sie weist auf Gott hin und führt zu ihm hin und das Christentum insbesondere ist ihm die Religion, deren Stifter Christus uns — er meint natürlich den Heiden — gezeigt hat. wie sie die von dem gewaltigen Gesetzgeber Mose ausgestellten Gebote aufzufassen und zu befolgen haben. Und bei aller Verehrung für Christum kann er ihn nur als Wegweiser zu Gott, nicht als solchen selbst betrachten. Wir sehen hier, wie bei allem Ernste und bei aller Liebe, die er für die Religion im Allgemeinen und für Christum insbesondere empfindet, sich unter keiner Bedingung mit dem Dogma der Gottheit Christi, zu dem die Kirche sich officiell bekennt, befreunden kann und in diesem Lichte und unter diesem Gesichtspunkte erscheint ihm die Kirche ein sehr wenig wirksames Mittel, das zum Heile führt. Es werden, meint er, die Begriffe von Sollen und Wollen, von Dürfen und Mögen, von Wissen und Können nur verwirrt, wenn mau in der Religion Unmög- *j Ernste Gedanken. Zweites Zchntansend, Leizig, Verlag von Otto Wigand.

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