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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-03-01 · Heft 3 (1.3.1891) · p. Seite 60

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 I die nun folgenden statistischen Angaben über Italien außer Betracht und führen nur die für Deutschland wichtigen an?) „Das sind gewiß sonderbare Verhältnisse in einer Bevölkerung, die wohl reich ist an alten Leuten und somit dem Delirium aus Altersschwäche mehr Opfer bringt, doch nur sehr wenige Trinker aufzuweisen hat?) Und diese Verhältnisse sind gewiß dem Auge der Antiseniiten, die ihrem Vaterland recht wenig Ehre machen, entgangen. Hätten die Verfolger, welche den armen Juden ihre materiellen und geistigen Erfolge so übel nahmen, gewußt, lute teuer dieselben selbst noch in unserer Zeit von diesem unglücklichen Volke erkauft werden, so würde ihr Haß ohne Zweisel sich gemildert haben. In den finsteren Zeiten des Mittelalters blutete der Körper des Opfers aus vielen Wunden und doch war dieses nicht unglücklicher als jetzt, wo die Quelle seines Ruhmes auch die seines Unglücks ist." Wie ganz anders hören sich doch diese nur feststehenden Thatsachen entspringenden, objektive Ausführungen Lombroso's an, als jene nur von blindem, fanatischem Hasse dietierten Treitschke's, der, ohne für seine Behauptungen stichhaltige Gründe anzugeben, Zwietracht säet und Sinn und Herz der akademischen Jugend vergiftet. Wie weit Treitschke sich leider von seiner verblendeten Leidenschaft fortreißen läßt, zeigt noch folgende, in einer Lehrzwecken dienenden Vorlesung kaum für möglich gehaltene Aeußerung. Mit einem Pathos und einer vor innerer Entrüstung bebenden Stimme rief er aus: „Meine Herren! Muß es nicht das Herz eines jeden echten Deutschen auf das tiefste empören, wenn er sieht, wie ein Rudolf Moste mit seinem nur durch Annoncenschwindel erworbenen Gelde an jener Stelle sich eine Villa baut, an der früher die Paläste alter, hochadliger Familien standen." W. v. Ggidy's Grnste Gedanken. Wir haben jüngst (Monatsblätter Jhrg. X S. 207) über den im Drucke erschienenen Vortrag „Menschenverehrung und Menschenvergötterung" von dem protestantischen Prediger Herrn Moritz Schwalb an der reformierten Kirche St. Martini in Bremen berichtet, in welchem in lichtvoller Weise kühne Gedanken von der größten Tragweite über das Christentum ausgesprochen werden, in denen mau einen geistigen Triumph des Judentunis erblicken kann, das nach langer ') Mayr legt uns die Verhältnisse des Jahres 1871 vor und zeigt: in Preußen auf 10,000 Christen 8,7 Geisteskranke und „ 10,000 Juden 14,1 „ in Baiern „ 10,000 Christen 9,8 „ „ „ 10,000 Juden 2ö,2 „ in ganz Deutschld. „ 10,000 Christen 8,6 „ „ „ 10,000 Juden 16,1 Berga findet un Jahre 1879 sogar: 1 Geisteskranker auf 1775 Katholiken 1 „ „ 1725 Protestanten 1 „ „ 384 (!) Juden. 2) Dies ist besonders bemerkenswert und auffallend; denn Krafft-Ebling teilt in seiner Psycho-Pathologie (Cap. 19 Geisteskrankheiten Titel 5) mit, „daß in Deutschland 50°/o aller Verbrechen unter dem Einflüsse der Alkoholexcesse zustande kommen, etwa 28°/o der Aufnahmen in Irrenhäusern durch das Laster des Trunkes verschuldet sind." (Anm. d. Vers.)

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