Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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59 Man müsse deshalb namentlich „unseren katholischen Mitbürgern" gegenüber bei der Besprechung religiöser Fragen die größte Rücksicht gebrauchen und in der Beurteilung möglichste Schonung walten lassen. Nachdem Herr von Treitschke diese seine Ansicht noch etwas näher ausgeführt, hielt er es für nötig, ausdrücklich hervorzuheben, daß diese „im allgemeinen richtigen und bewährten Maximen den Anhängern der jüdischen Religion gegenüber natürlich nicht anzutvenden eien" Und warum nicht? „Denn die Juden sind bei uns nur geduldet, weil sie ja in der Minderheit sind." Etwas anders klingt, was der Münchener Strafrechtslehrer Birkmeyer in seinen Vorlesungen über „Rechtsphilosophie" sagte und was ihm — es verdient dies besonders hervorgehoben zu werden — den laute», sich nach alter akademischer Sitte kundgebenden Beifall seiner Hörer eintrug. Bei der Erörterung des Princips: „Gleiches Recht für alle" führte er wörtlich ans: „Es ist eine Rückkehr zu den finsteren Zeiten einer glücklicherweise weit hinter uns liegenden Kulturepoche, wenn heute der Antisemitismus den Juden diese Gleichheit vor dem Gesetz, die sie kaum errungen, wieder nehmen oder doch verkümmern will." Im Vorstehenden haben wir über die Äußerungen zweier deutschen Professoren über Juden und Antisemitismus berichtet und es dürfte vielleicht von Interesse sein, darüber auch das Urteil eines ausländischen Gelehrten kennen zu lernen. Der berühmte Psychologe Lombroso, Professor an der Universität Turin, schreibt in seinem Buche: „Genie und Irrsinn" (übersetzt von A. Courth) in dem Kapitel: „Einfluß der Rasse und Familie auf Genie und Irrsinn" folgendes: „Den Einfluß der Rasse, der sich nach beiden Seiten hin (d. h. auf Genie und Irrsinn. Anm. d. Vers.) geltend macht und der sich oft mit dem Einflüsse der Gestirne verbindet, können wir in seiner ganzen Macht im Volke der Inden beobachten." „In meinem Buche „der Weiße und der Farbige" und in meiner Abhandlung über den Einfluß der Gestirne auf die Gedanken habe ich schon nachgewiesen, wie, dank der grausam harten von beit mittelalterlichen Verfolgungen unerbittlich geübten Zuchtwahl, dank auch dem milden Klima unseres Erdteils, die Juden Europas sich über den traurigen Zustand ihrer noch in Afrika und Asien wohnenden Glaubensgenossen so sehr erhoben, daß sogar nicht selten die Kinder der arischen Rasse von ihnen übertroffen wurden. In der That, unsere Inden zeichnen sich durch Bildung und Geistesschärfe aus und haben sich dadurch in vielen Zweigen unseres Kulturlebens eine tonangebende Stellung gesichert; in ihrer Hand liegen zum großen Teil Handel, Industrie und Presse; berühmte Komponisten, Satyriker, Humoristen, Mediciner, Juristen, Philosophen, Socialisten n. s. w. sind aus ihren Reihen hervorgegangen." Es folgt nun eine ziemlich umfassende Aufzählung aller der Inden, welche sich in Kunst und Wissenschaft einen Namen errungen haben. Wir übergehen dieselbe, als hier unwesentlich, wie auch den Hinweis auf den näher ausgeführten Umstand, daß die von Lombroso genannten berühmten Juden durchweg schöpferische Naturen waren. „Dem zur Seite ist nun die sonderbare, aber feststehende Thatsache zu stellen, daß eben die Juden eine verhältnißmüßig vier- bis sechsmal größere Anzahl Geisteskranker liefern, als ihre andersgläubigen Mitbürger." Wir lassen