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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-03-01 · Heft 3 (1.3.1891) · p. Seite 58

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 jede Gemeinde, gleichviel ob groß oder klein, wird nicht nach den einzelnen Mitgliedern derselben, sondern nach jenen Persönlichkeiten beurteilt und getvürdigt, die sie vertreteil und repräseutiren, leiten und führen, unterrichten und unterweisen. Sind die Lehrer, Vertreter und Führer, die an der Spitze der Gemeinde stehen, ehrenwerte Persönlichkeiten, Männer von Ruf, so gewinnt auch die Gemeinde an Ansehen und Achtung. Werden aber die wichtigsten und heiligsten Ämter der Gemeinde von Männern zweifelhaften Charakters und unbedeutenden Wissens bekleidet, so wird auch die Gemeinde selbst in ein schiefes Licht gesetzt und verliert au Achtung und Ansehen. „Nicht der Ort ist es, der den Bkann verherrlicht und seinen Ruf verbreitet", sagen unsere Weisen (Taanit 21 b), sondern der Mann, wenn er eine hervorragende, verdienstvotte, achtunggebietende Persönlichkeit ist, ziert und schmückt, ehrt und verherrlicht den Ort seines Aufenthaltes, die Stätte seines Wirkungskreises. In Bezug auf das Wort des Propheten Jeremias (1, 6) „Zion wurde seines Schmuckes entkleidet", bemerkt der Midrasch, das sind die Männer der Weisheit, die Träger der Gotteslehre, die Förderer der Wissenschaft und Religiosität. Als Moses den göttlichen Auftrag erhielt, nach Egypten zu gehen und das Amt eines Lehrers, Führers und Befreiers Israels anzutreten, rief ihm eine höhere Stinime zu: Die Stätte, an der d u dich befindest, ist heilig, da wo d u eine segensreiche Thütigkeit entwickelst, ist der Boden heilig, der Ort wird durch den Mann, aber nicht der Mann durch den Ort verherrlicht. — Moses bat daher mit Recht vor seinem Scheiden, Gott der Herr möge einen Mann an die Spitze der Gemeinde setzen, der vor allem in Folge seiner hohen Tugenden imstaude sei, sie nach Außen würdevoll zu repräseutiren. Und wie er nach Außen durch Gelehrsamkeit glänzen, ebenso soll er bemüht sein, im Innern der Gemeinde die Kenntniß der Thora zu verbreiten, die Jugend wie die Erwachsenen für die edelsten und höchsten Güter der Menschheit, für das Ideale und Göttliche zu begeistern. Er muß vor allein bestrebt sein, den Gemeinsinn in den Herzen der Mitglieder wach zu rufen, damit sie die Thora und die Träger derselben zu würdigen verstehen und für die heiligsten Institutionen des Judentums die nöthigsteu Opfer zu bringen bereit seien. Bescheiden, sanftmütig und liebevoll soll er seine Gemeinde leiten und führen, auf daß er sich die Liebe und Achtung derselben erwerbe, als die maßgebendste Autorität betrachtet werde „und die Gemeinde Gottes nicht gleiche einer Heerde, die herumirrt ohne einen Hirten". (Forts, folgt.) Universitätslehrer über Antisemitismus. Der bekannte preußische Hofhistoriograph Professor voir Treitschke sah sich veranlaßt, in seinem Kolleg: „Staat und Kirche" an seine Hörer folgende Ermahnung zu richten, die wieder einen Beweis dafür liefert, wie Herr von Treitschke Geschichte lehrt und welch' hohe Auffassung er von seinem Lehrberufe hat. In einer seiner Vorlesungen betonte er gelegentlich unter anderem, daß man beim Austausch religiöser Meinungen gegen Andersgläubige mit der größten Vorsicht verfahren müsse. Denn Religion sei Gefühlsnicht Verstandessache; Erziehung und Beispiel seien die Bildnerinnen religiöser Grundsätze und Überzeugungen.

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