Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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55 der Kunde früher Jahrhunderte. Das Bewußtsein der Kraft erhöhte sich, der Mut ward zu neuen Thaten gestählt im Spiegelbilde der alten Zeiten. Frei erhob sich das Lied, des Augenblickes Feuer verlieh ihm Schwung und bildende Macht. Ganz anderer Art ist jener Zweig der jüdischen Mythe, welcher in einem jüngeren Zeitalter erwuchs. Diese Ausführungen stehen in Berbiudnng mit der öffentlichen Gebetversauimlung und mit dem Lehrhause. Dort wurde Belehrung geboten, dort besprach man, um den Geist und das Herz zu bilden, die Geschichte der Ahnen, dort wurden die Genossen des Glaubens in dem Bilde der Vorzeit zum Ausharren und zum Hoffen ermuntert. Der Genius der Einbildungskraft nahm da nicht den weiten Flug, kein süßklingeudes Märchen umstrickte das Herz. Enge ist diese Sage mit der Nachricht der Bibel verknüpft, und mit dem Wort des heiligen Buches kam sie aus dem Schnlhause und aus der festliche» Versammlung in den stillen Kreis des Volkes und in die schlichte Hütte. Hier floß die ansführende Erläuterung des Meisters bald mit dein biblische» Wort zusammen. An den Sagen dieser Art haftet immer eine gewisse Absicht. Sie passe» sich dem Ausdruck der ersten Erzählung an, sie bewegen sich in der Linie, welche die alte Urkunde andeutet. Der ernste Beurteiler wird in der Beschränkung der poetischen Erhebung, in der Nüchternheit der Belehrung, welche die freie Dichtung znrückhält, den didaktischen Zweck erkennen, welchen dieser Teil der Sage verfolgt. Auch an Sagen solcher Form fehlt es nicht in der erweiterten Geschichte Sauls, wie wir sie in den Schriften der alten Lehrer lesen. Der König, tvelcher Großes will und mit mächtiger Hand Hohes vollendet, trotzt dem Spruch des Propheten und erscheint, als David in seinen Kreis tritt, so klein und von Verdacht erfüllt. Wer reizte den kühnen Geist, wer flößte das Gift des Kleinmuts in die klare Seele? Dveg, der Fremde, der Edomite, der drängt sich in des Fürsten Nähe. Er ist es, der den Rat erteilt, des Amalekiterkönigs zu schonen. Dväg ist es, der den jungen Harfenspieler, Jiai's Sohn, au den königlichen Hof bringt, um ihn, den seine Seele haßt, zu verderben. Der junge Held erlegt mit Stein und Schlender Goliath, den Riesen. Da fragt der König nach dem Vaterhanse dieses Knaben. Doög spricht: „Er ist Nachkomme einer Moabiterin, nach dem Gesetz steht er außerhalb der Gemeinde dieses Volkes." Doög, der Nvb, die Priesterstadt verdirbt, bestimmt de» kriegerischen König, im wüsten Lande den Mann verfolgend, anfznsnchen, der siegreich für ihn die Schlachten schlug. Reich an Tücke ist dieser Hirtenfürst, der Sauls Herz gewonnen. Er legt die Schlingen, die auch des Königs Tochter fassen. Aus Davids Arm gerissen, wird sie dem fremden Manne zngewiesen. -) (Forts, folgt). Die Säulen des israelitischen Hleligionsgebäudes. Ein Bortrag von IW. M. H. F r i e d l ä n d e r. Sticht nur in alter, sondern auch in neuer nub neuester Zeit bildete die sogenannte „Judenfrage" die Frage, woher es >vvhl kommen mag. daß Israel, dieses kleinste aller Völker, trotz grausamer Verfolgungen und Bedrückungen, ') Berachot 63. Synhedrin 91. Jebamot 76. 2) Midrasch Jelamdenu.