Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hebron 1× ep/1047559
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54 in die weite Zeitenfolge. Sein Auge sah alle die koniinenden Geschlechter. Er sieht die Völker und Könige der Erde. Er sieht auch Saul und seine tapferen Heldensöhne sinken ans den Hügeln Gilboa's. Und Adam wendet sich zu dem Weltenherrn und spricht: Also soll der erste König jenes Volkes, das den Gvttesglauben lehrt und kündet, fallen! ich schau' ihn schwertdurchbohrt im Gewühl der Feinde. Und Gott öffnet vor dem Auge Adam's auch das Buch der Geschichte. Der erste aller Menschen liest, wie sich Sauls Geist verdiistert, wie ein grauser Wahn die Ruhe seiner Seele stört, wie seine Lippe den Priestern Nobs das blutige Urteil spricht.l) — Den Wandel in der Seele des Königs bezeichnet eine andere sagenhafte Ausführung. Der Prophet gibt den Auftrag, Amaleks Stamm ohne Schonung zu vernichten. Da wendet sich zartgesinnt der Fürst zu Gott und spricht: Siehe, o Herr! Wenn man ans der weiten Flur des Landes einen erschlagenen Alaun gefunden, so treten die Aeltesten der Stadt, die zunächst gelegen, hin. Sie heiligen ein Opfer und sprechen es aus im Weihgebete, daß sie und ihre Stadt keine Schuld an diesem Blute trifft. So milde ist das Gesetz, das du, o Herr, gestiftet. Und nun soll ich ansziehen und soll Rache üben, nach dem erkämpften Sieg noch tausend Leben des fremden Stammes verderben'? Eine Geisterstimme rief aber Saul entgegen: „Sei niemals allzu milde!" Als Saul in des Wahnsinnes Fieberglnt die Priesterstadt dem Verderben übergab, da tönte abermals vom Himmel ihm der Ruf: „Sei nie und niemals doch zu rauh und streng und blutig ahndend!" Eine Erzählung spricht von dem, >vas nach dem Tode Sauls seines Volkes Herz bewegte. Als drei Jahre nach dem Falle des Fürsten die verderbliche Hungersnot das Land verödete, da wendete sich David im Gebete zu Gott: Der Herr sprach zu ihm: „Das Unglück ist ein mahnend und warnend Zeichen. Denn noch ist Saul nicht ehrenvoll bestattet. Er, dessen Stirne das heilige Salböl berührte, der den Götzendienst in Israels Stämmen tilgte, dessen unsterblicher Geist mit der Seele Samuels das Loos des himmlischen Paradieses teilt, Saul ruht noch in geweihtem Boden nicht. Drüben nur, weit ab am linken Jordanufer fand er sein Grab. Da brach David von Hebron auf. Ihm folgten die Aeltesten von Israel. Sie nahmen jenen Weg nach Jabes, auf welchem Saul einst zu seiner ersten Königsthat dahingeschritten. Sie fanden die Gebeine des Königs unversehrt. Wurm und Moder hatten sie verschont. Nun zogen sie auf weit gewundenen Wegen, trugen und geleiteten die Reste des Königs zu geheiligter Grabesstätte. Sie berührten das Gebiet aller Stämme. Wie sie in die Grenze eines Stammes traten, da kamen alle Häupter der Geschlechter, Männer und Frauen, Söhne und Töchter schlossen sich an und geleiteten den Zug und weihten dem Hause Sauls eine fromme Thräne.3) Sehen wir die Mythe, welche die Erlebnisse des Helden und sein Charakterbild verklärt, dem Quell des edlen Gefühles entfließen, welches in dem jüdischen Stamme lebt, glauben wir in den Erzählungen, welche die Thaten Sauls preisend erheben, einen lyrischen Klang zu vernehmen, so erscheint uns doch nicht selten die agadische Sage, wie sie die Schriften der Rabbinen überliefern, in belehrender Absichtlichkeit geformt, zu unterweisenden Zwecken gebildet. Darin unterscheidet sich die spätere jüdische Sage von den Mythen anderer Völker. Beim heiteren Male, im Kreise der Freunde, bei den Spielen der Jugend erzählten die Männer der Stämme von dem Ruhme und dem Glanze der Ahnen. Wenn in dem geschlossenenZölinde der Genossen das Wort des Sängers erklang, horchte man ‘i Tanchuma. Jalkut das. 139. *) Jama an b. St. “) Pieke di Rabbi (Kiefer.