Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1891)
- Date
- 1891-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 König Saul in Sage und Dichtung. Bortrag, gehalten im Vereine zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums (Afike Jehuda) in Prag von Dr. Ivel Mülle v, Doeent für die rabbinischen Wissenschaften an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. ' (Fortsetzung). Der Sagenkreis, welcher das Leben Sauls umschließt, ist echt jüdisch, er hat sich im Volksleben Israels gebildet. Anklänge an denselben sind in den Geschichtsbüchern des Josephus zu lesen. Die Mythe hebt unsern Helden hervor. Sie will auch die Thaten des Wahnsinns mit Schleier und Wolke umgeben. Sie schließt sich anch darin nur dem Geiste der heiligen Schrift an. Denn auch die Bücher der alten Zeit gedenken Sauls niemals als eines Sünders. Keiner der Propheten, wie diese immer die Laster der Fürsten Israels rügen, deutet beispielgebend auf das Geschick Sauls hin. Selbst der Chronikschreiber, der Davids Haus verherrlicht, verzeichnet nur mit kurzen Worten die Nachrichten, die das Buch nicht verschweigt, welches den Namen Samuel trägt. Ein Lehrer späterer Zeit wollte von Saul wie von einem Manne sprechen, den die Sünde schwer belastet. Da erschien ihm im Traumgesichte schreckend ein Engel des Verderbens. Der Meister sprach: „Ich verstehe, ich beherzige die Mahnung, Gerippenbau Sauls, Königs von Israel." Nicht nur dort, wo einzelne Thaten Sauls im Nebelschleier der Mythe vergrößert hervortreten, legt diese um das Haupt des Fürsten den Kranz der Tugend und der Ehre; auch da, wo sie ein uinfaßendes Bild seines Schaffens, eine Darstellung seiner Bedeutung in der Volksgeschichte hervortreten läßt, ist ihre Zeichnung so zart und klar und verherrlichet den Helden. Die Glorie des Ruhmes, der Glanz des unsterblichen Namens soll den gotterwählten Fürsten umgeben. Als Sauls Hans, vom Sturm getroffen, zusammenbrach, ward Davids Macht erhöht. Dieser war im Kriege mutig, Dichter und Sänger im Gotteszelte. Bald umgab ihn ein stolzer Königshof. Der Herr aber ließ dem Sohne Jsais künden: Noch hast du Sauls Seelenhoheit nicht erklommen und erreicht, Jener gab einst, ein schlichter Landmann, sein Gut willig hin, Teile seines Rinderpaares trugen Bote» in alle Gauen Israels als ein mahnend Zeichen, zum Kampfe aufzubrechen. Das Wort voll Kraft einte die Stämme, die viel zerklüftet waren, zum großen Siegeszuge. Rühmst du, Sohn Jsais, dich einer gleichen That? Gewaltig stürmte der Vater uitb der kühne Sohn am Tag des Heldenkampfes hin. Der weite Raum, der Bergesgipfel hemmte nicht den Flug des Sieges. Kannst du, David, schon solche Ruhmeszüge nennen? Israels erster König zog in den Verzweiflungskampf, verkündet ist ihm der" Untergang, und doch hält sein Arm des Schwertes Heft so fest und sicher, die theuern Söhne schaart er um sich .... sie fallen streitend. — Fürst aus dem Hause Juda, gabst Du ein Beispiel solchen Hochsinns?^) Eine andere in den Schriften der Rabbinen erzählte Sage führt uns zurück in die ältesten Zeiten des Daseins. Adam, der Vater der Menschen blickte *) Schocher Tob., Jalkut Sch'muel 138.