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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-03-01 · Heft 3 (1.3.1891) · p. Seite 51

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 3 (1.3.1891)
Date
1891-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 II. Kaum sind die Thräueu getrocknet, die über das Abscheiden Joöls ge-- flossen. so hat der Tod uns von Neuem eine tiefe Wunde geschlagen und einen der Besten ans unseren Reihen sich hiinveggeholt. Dr. Nehemias Brüll, Rabbiner der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M., ist am ü. Februar einem Schlaganfall nach kurzen Leiden erlegen. Die Kunde von diesem plötzlichen Todesfall wird nicht verfehlen, allgemeine Trauer zu erwecken, denn mit Nehemias Brüll ist einer der gelehrtesten und charaktervollsten unter den deutschen Rabbinern dahingegangen. In der Blüte seiner Jahre ist Brüll von uns geschieden. Er war am 16. März 1843 zu Neu-Raußnitz in Mähren geboren. Sein Vater war der seel. Rabbiner Jakob Brüll, einer der größten Talmudisten unserer Zeit, der gelehrte Historiker der Mischnah. Von diesem grundgelehrten Vater wurde er in die weiten Hallen des Talmud eingeführt. Seine philosophischen und theologischen Studien machte er in Wien. Dann wurde er zum Rabbiner in Bisenz in Mähren erwählt, und als im Jahre 1870 Abraham Geiger von Frankfurt nach Berlin gieng, lenkte er das Augenmerk seiner Heimatsgemeinde auf den jungen mährischen Rabbiner. Mit großem Scharfblick hatte Geiger schon damals dessen Bedeutung und Charakter erkannt, lieber zwanzig Jahre ivar Brüll Rabbiner der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Die ehrwürdige alte Gemeinde hat ihr Haupt, ihren geistigen Führer, in ihm verehrt und nunmehr verloren. Da die Kunde von Brülls Tode zu uns gelangt, tritt seine Erscheinung und sein geistiges Wesen lebhafter denn je vor unser Gedächtniß. Etwas Tieftragisches liegt in diesem plötzlichen Tode. Wir haben es bereits gesagt, daß Brüll einer der gelehrtesten Rabbiner >var. Er besaß ein außerordentliches Wissen und einen seltenen kritischen Scharfblick. Er war der würdige Nachfolger jener alten Rabbiner, die Tag und Nacht den« Studium der heiligen Lehre widmeten, die kein irdisches Vergnügen kannten. Man hat früher gewöhnlich die Talmudisten in zwei Kategorien geteilt. Der eine war sehr belesen in dem weiten Quellen-Material, der andere wußte dieses Material mit kritischem Scharfblick zu durchdringen. In Brüll lag etwas von beiden Kategorien. Seine Studien fast über alle Zweige der jüdischen Wissenschaft, über Bibel, Exegese und Grammatik, über Geschichte und Litteratur-Geschichte der Juden, die er in den zehn Bänden seiner „Jahrbücher" und zahlreichen Aufsätzen niedergelegt, zeugen von ebenso großer Belesenheit wie von eindringlichem Scharfsinn. Er hat diese „Jahrbücher" fast allein geschrieben, und die Fülle seiner Studien hat cr darin niedergelegt. Und nun wollte er all' seine geistige Schöpferkraft an ein hohes und großes Werk wenden. Die Zunz-Stiftnng in Berlin hatte in richtiger Wahl ihn als den Tüchtigsten mit der großen Aufgabe betraut, die „Gottesdienstlichen Vorträge" von Leopold Zunz, das grundlegende Werk der jüdischen Wissenschaft, neu zu bearbeiten. In diese Bearbeitung wollte Brüll sein ganzes Können und Wissen hineinlege». Und nun ist er mitten in seinem Schaffen abberufen worden. Das ist das Tragische an diesem Gelehrtenleben. Aber Brüll war nicht blos Gelehrter, er war auch ein Mensch in des Wortes edelstem und heiligstem Sinne. Ein reiner Geist lebte in ihm, ein edles Herz, ein tiefes Mitgefühl' für alle Leiden seines Stammes und der Menschheit. Stark, fest, ungebeugt in seinem Wollen und Schaffen, streng gemessen in seinem Wesen, war er zart, bescheiden, ja demütig im Verborgenen. Das Strenge und

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