Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1891)
- Date
- 1891-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Weftrale und Milleitungen. Mirtala. Roman aus dem ersten Jahrhuudet nach Christus von Elise Grzeszko. Autorisirte Uebersetznng von Malwine Dlumberg (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt, 1890. Preis geheftet 4 Mk., fein gebunden 5 Mk.). Dieses neueste Buch der bekannten. polnisch - christlichen Schriftstellerin, welche tiefe Einblicke in das jüdisch-slavische Leben gethan und hinter der oft schmutzigen Oberfläche echte Edelsteine an Geist und Herz aufgefunden, hat in vorliegendem auf gründlichen Studien beruhenden Romane ein herrliches farbenreiches Bild einer gährungsreichen Zeit entworfen, in der Juden und Römer mit aller lebendigen Anschaulichkeit geschildert werden. Wir sehen die sittlich zerfressene römische Gesellschaft, in der nur noch die Stoa Hüterin einer ans Philosophie beruhenden Weltanschauung ist, die frei bleibt von der bestialischen Leidenschaft, welche Menschen in Tiere verwandelt und den Adel der Seele hoch hält, inmitten einer Welt, der Brod und Genuß als die höchst erstrebenswerten Ziele erscheinen und die für alles Höhere Gefühl und Empfindung verloren hat. Es treten uns die Trümmer eines vernieteten Volks entgegen, das mit dem Sturze Jerusalems nicht aufgehört hat zu sein und auf dem wildbewegten Meere der römischen Gesellschaft dahintrieb. Wir lassen hier eine kurze Inhaltsangabe des trefflichen Romans folgen: Charaktere wie der aus Klugheit römerfreundliche Josephus und der gegen Rom haßerfüllte Jonathan treten uns da entgegen und Mirtala die Pflegetochter Menochims, in der der Kampf dieser beiden Volksrichtungen mächtig wogte, welche aus dem engen Judenghetto den Weg in die römische Welt gefunden, die einen mächtigen Zauber auf sie ausübt, dem sie schließlich zum Opfer fällt. Menochim war bei einem römerfreundlichen reichen Juden in Diensten, um die Steuer am Haine der Egeria zu erheben, die letzterer vom Kaiser Vespasian gepachtet hatte. Der arme Menochim, ein Jünger Hillels, früher ein reicher Mann, hatte sein Geld daran gesetzt, arme gefangene Juden auszulösen und in seinem Hause Jonathan und Mirtala erzogen, die von Kindheit auf für einander bestimmt waren. Menochim, der sehr gelehrt war, hätte durch Justus, einen Freund Jonathans, der, als Römerfeind geächtet, die Flucht ergreifen mußte, die Stelle eines Sekretärs bei Josephus erhalten und allen Schimpf los werden können, den seine unwürdige Stelle ihm brachte, da der ganze römische Haß gegen Juden sich über ihn entlud, verharrte aber lieber auf seinem ärmlichen Posten, weil er eher mit den Unterdrückten leiden, als mit den Unterdrückern schwelgen will. Seine Pflegetochter Mirtala, eine kunstgeübte Stickerin, hatte, da sie der römischen Sprache mächtig war, im neuen Portikus ihre Waare feil geboten und ihr Herz an den Maler Artemidor verloren, der sie bewunderte und sie in das Haus des römischen Praetors Helvidius Priscus einführte. Sie kehrte wohl mit eigenartigen Gefühlen am Abend später wie sonst in das schmutzige Tiberviertel zurück, denkend an den Haß Menochims gegen Edom, dessen Glanz sie geblendet. Verfolgt von Silus, einem Feinde Menochims und von der Kammerfrau des Praetors, die in ihr eine gefährliche Rivalin erblickte, wurde sie durch Artemidor, der ihr im Geheimen gefolgt war, befreit, wodurch ihr Herz noch heftiger für den edlen Römer entflanimt wurde. Jonathan kehrt zurück und sieht zu seinem Schmerze Mirtala an der Seite eines Röiners ihren Weg nach Hause nehmen, Mirtala, die der Traum seines Lebens gewesen und die von jetzt ab einen heftigen Kampf zwischen Pflicht und Neigung durchzumachen hatte. Jonathan sieht in der Liebe des Titus zu Berenice das sündhafte Vorbild der Liebe Mirtalas zu Artemidor und die Sicca, die er auch nie