Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1891)
- Date
- 1891-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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46 erdigung gesprochen. Sogar die orthodoxen jüdischen Journale sind des Lobes für die Heimgegangene voll. Man scheint auch in diesen Kreisen den Mischehen nicht antipathisch gegenüberzustehen. — Am 16. Dezember wurde von englischen Kanzeln Fürbitte für die verfolgten Juden in Rußland gesprochen. Wir sehen, die Sprache der Humanität auf dem Meeting in.Guildhall am 10. Dezember hat Wiederhall gefunden. Der Protest der Engländer gegen die barbarische Behandlung der Juden in Rußland, ob er Erfolg hat oder nicht, ist an und für sich schon eine That edler Menschenliebe, die zeigt, daß Christen und Juden Brüder sind und daß man die Fnndamentalprinzipien der Gerechtigkeit' und Menschlichkeit nicht ungestört verletzen kann. — Im Repräsentautenhause zu Washington ist am 18. Dezember die russische Antijudengesetzgebung zur Sprache gebracht worden. Der Vertreter für New-Aork, Cummings, brachte eine Resolution ein, wonach das Haus sein tiefes Bedauern über die in Rußland beabsichtigten Verschärfungen der Gesetze ausspricht. Cummings beantragt ferner, die Resolution möge durch den Gesandten der Vereinigten Staaten in Petersburg dem Kaiser von Rußland vorgelegt werden. — Rev. Meyer, ein Rabbiner aus Australien hält vor einem aus Juden und Christen bestehenden Publikum in London populäre Vortrüge über den Talmud. — Herr Uathan Levy in Arnheim rettete fünf Kinder ans dem Brande eines beuachbarten Hauses; er selbst verlor dabei sein Leben. — Fräulein Louise Heymann, die Tochter des Oberkantors an der Synagoge zu Amsterdam, die Primadonna, in italienischen Blättern unter dem Namen „Holländische Nachtigall" bekannt, trat mit großem Erfolge in der französischen Oper im Haag auf. — Frl. Kaschonisba, Tochter eines jüdischen Vorbeters in Warschau, trat jüngst am dortigen Theater in der Oper „Faust" auf und erntete von dem zahlreichen Publikum großen Beifall für hren prächtigen Gesang. Alle Zeitungen, selbst die antisemitischen, sind voll des Lobes für die junge Sängerin. — In Lod; wurde das auf Kostendes Hrn. Israel Posnanski mit einem Aufwande von 300,000 Rubel errichtete jüdische Hospital seiner Bestimmung übergeben. Außerdem spendete der edle Mann noch 30,000 Rubel als Betriebsfond. — Die jüdisch-amerikanischen Zeitungen „Deborah" und „Ameriran-Israelite" sind in Rußland verboten worden. — In Wilna starb am 22. Dezember, im Alter von 77 Jahren, der weithin bekannte jüdische Gelehrte Herr S. I. Finn, früher Lehrer am Nabbinerseminar daselbst. Von seinen vielen ausgezeichneten Schriften sind hervorzuheben: Die Geschichte der Juden seiner Vaterstadt Wilna und die später in eine Monatsschrift verwandelte hebräische Wochenschrift „Hakarmel". — Gegen Herrn Prof Scheinemann in SuKarest, der rumänische Geschichte liest, haben sich die Studenten erhoben, da sie durch einen Juden diesen Gegenstand nicht vorgetragen haben wollen. — In Krüssel ist der Rektor der Universität, Herr Dr. Martin Wlippson, auch von seiner Professur daselbst zurückgetreten. — Die Rumänische Akademie der Wissenschaften hat einen Preis von 12,000 Franks für ein hebräisches Wörterbuch mit rumänischer Uebersetzung bestimmt. — Ibrahim Pascha, früher Gouverneur von Tripoli (Syrien), wurde zum Gouverneur von Jerusalem ernannt. Die Juden im heiligen Lande können sich zu dieser Ernennung beglückwünschen, da Ibrahim Pascha den Ruf nicht blos eines sehr fähigen Beamten, sondern auch eines Freundes der Juden genießt. — Herr Moses Weil, bisher in Gran, wurde zum Oberrabbiner von Algier ernannt. — Herr Rabbiner Iomtov in Iamboly wurde zum Stadtrath erwählt. — In Kel-Abbvs in Algerien ist Frau Zahrn Levy in: Alter von 110 Jahren gestorben.