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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-02-01 · Heft 2 (1.2.1891) · p. Seite 43

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 2 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
Seite 43 (sequence 19)
Language
German
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43 gängnis des edlen Wohlthäters gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der Liebe und Verehrung für den Verblichenen. Die von Berlin nach der Heimatstadt überfiihrte Leiche wurde in Arolsen vom Stadtverordneten-Kolleginm abgeholt und auf dem Rathause aufgebahrt. — In Königsberg in Preußen bestehen 13 Vereine, die einen wohlthätigen Zweck verfolgen. Dieselben verfügen über ein Vermögen von 1,062,732, 20 Mark und haben 1889 Mk. 66,334, 78 verausgabt. — Der israelitische Verein für Krankenpflege und Beerdigung in Königsberg feierte sein hundert und achtzigstes Stiftungsfest. — Bei der Rekrutenvereidigung in Koblenz wurden zum ersten Male die Soldaten israelitischer Konfession in der Synagoge vereidigt. — In Derlin giebt es an den hohen jüdischen Festtagen 18,547 Synagogenplätze bei einer Seelenzahl von 70,000 Juden. — Der homiletische Verein in Zrrslan, am jüdisch-theologischenSeminar daselbst, feierte jüngst das fünfundzwanzigjährige Jubiläum seines Bestehens. Die Gründung einer Vereinsbibliothek wurde bei diesem Anlässe beschlossen. — Bei Hans Lüftenöder in Kerlin erscheint eine neue Zeitschrift: „Das zwanzigste Jahrhundert." Dieselbe ist so gehalten, wie das 20. Jahrhundert es hoffentlich nicht sein wird. — Herr Dr. König in Witten, der bekannte antisemitische Agitator, wurde von den Stadtverordneten als Stadtarzt nicht wieder gewählt.—Aus Marburg schreibt man uns: Die Königliche Regierung zu Kassel hat in einer kürzlich erlassenen Verfügung angeordnet: „Daß christliche Schulkinder, welche jüdische Einwohner beschimpfen, wie es leider in letzter Zeit im Regierungsbezirk verschiedentlich vorgekommen sei, streng zll bestrafen sind. Einige Lehrer haben es in dieser Beziehung an der nötigen Strenge fehlen lassen. Die Schule soll Toleranz pflegen und hegen und zur Ächtung auch gegen Andersgesinnte und Andersgläubige erziehen. Die Lehrer selbst haben sich beim Unterricht jeder geringschätzenden Aeußerung über andere Konfessionen zu enthalten." Dieser Erlaß ist, wie man hinzufügt, vom Ministerium an sämtliche Regierungbezirke ergangen. — In Eschwege wurden in der Nacht vom 7. zum 8. Dezenrber zehil Fensterscheiben und eine Ampel in der Synagoge durch Steinwürfe zertrümmert. — Man schreibt uns: In einer Kerliner Äntisemiten-Versammlung, in der Pickenbach, Werner, Zimmermann sprachen, nahm nach einer Hetzrede des letzteren ein Herr Levyfohn das Wort und stellte sich als junger Briefträger der Packetfahrtgesellschaft mit 75 Mark Gehalt vor. Er müsse täglich 400 Treppen steigen und dürfe täglich nur zwei Mark verbrauchen. Demnach sei er Arbeiter und es sei nicht wahr, daß die Juden nicht arbeiten wollen. „Wir sind alle Menschen, ob Jude, ob Christ. Ich kann nichts dafür, daß ich als Jude geboren bin. Ich bettle Niemanden an und nehme Niemanden etwas. Ich bin auch Soldat gewesen und streite für das Vaterland. Ob Sie auf die Juden schimpfen oder nicht, ist mir egal. Ich bleibe doch ein Jude. Wir glauben alle an einen Gott." Wenn auch Herr Werner von Herrn Levysohn sagte, daß er mauschle, so hat er ihn doch nicht widerlegt. Ja wenn wir alle sagen könnten: „Ich bin ein Mensch, ich glaube an einen Gott," dann könnten die Antisemiten ihr Unwesen nicht mehr weiter treiben. — 2500 russische Juden sind nach Krasilien ausgewandert. — Herr Dr. Adolf Iellinelr, Prediger der israelitischen Knltusgemeinde in Wien, tritt am 26. Juni dieses Jahres in sein siebenzigstes Lebensalter. Es bedarf vorerst nur dieses kurzen Hinweises, umweitere Kreise zur würdigen Feier dieses Tages anzuregen, die einem Manne gelten soll, der als geistvoller Gelehrter und hervorragender Kanzelredner mnstergiltig zur Ehre des Judentums gewirkt bat. Die Judenheit kann mit Stolz auf diesen Mann hin- '4*

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