Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1891)
- Date
- 1891-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Strahlen unter. Es findet seinen Weg gleicherweise in die Hütte des gewöhnlichen Mannes wie in des Königs Palast. Es geht mit ins Kämmerlein, es leistet Gesellschaft am Krankenbett. Der Seemann, eben dem Schiffbruch entrinnend, greift zuerst nach diesem Buche, als seinem besten Schatze. Es findet seinen Platz in dem vollgepfropften Bündel des Hausierers, erquickt ihn Abends in der Müdigkeit und spendet am Morgen Freudestrahlen auf sein sorgenvolles Antlitz. Es erhebt den Menschen über sich selbst. Unsere besten Gebete sind in der Sprache dieses Buches geschrieben. Der Furchtsame, im Begriff, dem Traum dieses Lebens zu entrinnen, blickt durch das Fernglas der Schrift und sein Auge wird hell; er fürchtet sich nicht, die Hand des Todes zu erfassen, und Weib und Kind und dem trauten Heini das letzte Lebewohl zuzurufen. Nun, für dies alles muß ein guter Grund vorhanden sein- Daß aus Nichts Nichts kommt, gilt in der ganzen Welt. Es ist keine Kleinigkeit, Tausende von Herzen zu fesseln, sei es auch nur für eine Stunde. Was will es nun erst sagen, eine Welt wie hie christliche zu fesseln und das auf Jahrhunderte? Werden Menschenherzen mit Spreu , und Hülsen gefüttert? Tausende von Schriftstellern erstehen in diesem Jahrhundert, um im nächsten schon vergessen zu sei»; aber die silberne Schnur der Bibel ist noch nicht locker geworden, noch ihre goldene Quelle verlaufen, obgleich die Chronik der Zeiten indessen Jahrtausende aufzuzeichnen gehabt hat, die in Vergangenheit gesunken sind. Hat etwa ein Wahn das Menschengeschlecht ergriffen? Wir sehen die mächtigsten Einrichtungen auf die Bibel gegründet; derartige Dinge kann man nicht auf Spreuhaufen stellen, sondern nur auf Felsen von Erz. Was ist die geheimnisvolle Ursache dieses weitausgedehnten und tiefen Einflusses? Sie muß in der Bibel selbst zu finden, und auch hier muß die Ursache der Wirkung angemessen sein." Derselbe Herr I)r. Parker sagte in einer Predigt, gehalten am 27. Juli vor versammelter Gemeinde: Ich liebe die Juden, wenn sie nicht bekehrt sind. Einige von ihnen liebe ich und vertraue ihnen auch nach ihrer Bekehrung. Der jüdische Geist ist die höchste intellektuelle Macht in der Welt. So war es zu allen Zeiten. Heute wird die Welt durch Juden begeistert und regiert, und die Christen sind nur zu geneigt, diese Erscheinung zu übersehen. Wurde nicht das „alte Testament" von Juden geschrieben? Ist nicht das „neue Testament" ein Werk der Juden? Kommt nicht von den Juden das Heil? Gott wird die aufrichtigen Juden nie verlassen; sie sind ein eigentümliches Volk. Im Anschlüsse hieran mögen hier einige Urteile hervorragender Männer über die Bibel folgen: Arthur Fitger, Maler und Dichter in Bremen, erklärt u. a. das 1. und 2. Buch Moses, Hiob, Psalter, Prediger, Propheten. Evangelien und Offenbarung Johannis für diejenigen Bücher, welche ihm „die liebste Lektüre ihrer künstlerischen Form nach" sind. Der Geschichtschreiber Wilhelm v. Giesebrecht in München nennt an erster Stelle die Bibel unter den Büchern, welchen er „den größten und nachhaltigsten Einfluß" auf seine geistige Entwickelung beimessen müsse. Der Kultusminister v. G o ß l e r sagt„Ein Bibelwort, vielleicht zum hundertsten Male, aber im rechten Augenblicke gelesen, wirkt gewaltiger auf Geist, Gemüt und Willen ein, als es vordem geahnt war." Der Philosoph Eduard v. H a r t m a n n rechnet das Alte uud das Neue Testament zu den Büchern, welche jeder besitzen muß, der „eine lateinlose höhere Bürgerschule mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste besucht habe." Der (jüdische)