Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1891)
- Date
- 1891-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Allgemeinen nichts weniger als freundlichen Verkehr zwischen Juden und Römern ist aber eine solche Uebertragung ebenfalls ganz unwahrscheinlich. Nach meiner Ansicht ist diese Redensart vielmehr eine blos römische» wie dies ja aus dem Horaz auf das bestimmteste ersichtlich ist, und ist bei den Juden, trotz ihres Vorkommens in der angeführten Talmudstelle, gar nicht iiblich gewesen. Zur Begründung dieser meiner Behauptung muß ich folgendes vorausschicken. In Rom herrschte zur Zeit des Hillel ein schändliches Lasterleben. Nur eine kleine Schaar hochgebildeter tugendhafter Männer, die dem Stoizismus huldigten, hielt sich ferne von diesem Pfuhle zuchtloser Ausschweifungen aller Art und führte ein streng sittliches Leben. Der als Dichter hochgefeierte, dabei aber in hohem Grade lebemännische Horaz, dessen naturalistische Frivolität — beiläufig bemerkt — die unseres Heine bei weitem überbietet, verschonte deshalb auch die Anhänger dieser Schule nicht mit seiner beißenden Persiflage. Daß nun diese Männer mit ihren strengeil sittlichen Gruildsätzen die römische Gotteslehre, in welcher Jupiter, der höchste der Götter, der optimus maximus, eine so skandalöse Don Juan-Rolle spielt, verachteten und sich zur jüdischen Lehre, die einen heiligen Gott verkündet und eine damit verbundene Lebens- Heiligung, einen sittenreinen Lebenswandel fordert, hingezogen fühlen mußten ist daher sehr erklärlich. — Auch wollen wir nicht vergessen, darauf aufmerksam zu machen» daß die Stoiker es liebten, in kurzen, prägnanten Sätzen und Formeln den Inhalt ihrer Lehren zusammenzufassen. — Nach diesen Voraussetzungen wird uns die in Rede stehende Talmudstelle erst im rechten Lichte erscheinen. Ein Nochri d. i. Ausländer (als Heide kann er nur insofern bezeichnet werden, als er der Angehörige eines heidnischen Volkes ist) kommt zu Hillel mit dem Begehren, in das Judentum ausgenommen zu werden. Wir haben es hier offenbar mit einem Römer und zwar mit einem Jünger der stoischen Lehre zu thun. Er will aber die ganze Tora in einer so kurzen Zeit, während welcher er auf Einem Fuße stehen kann, kennen lernen, d. h. er wünscht den Grundsatz in aller Kürze und Bündigkeit kennen zu lernen, welcher die ganze Lehre umfaßt. Er spricht natürlich in seiner römischen Muttersprache, in welcher die Redensart, während er auf Einem Fuße stehe, die für uns fast wie Spott und Hohn klingt, eine im Verkehr übliche und ohne irgend welchen ironischen Beigeschniack ist. In dem Talmud werden seine Worte natürlich in hebräischer Sprache wiedergegeben. Daß daraus nicht gefolgert werden kann, daß die Redensart „während man auf Einem Fuße steht" für den Gedanken „in kürzester Frist" auch bei den Juden üblich gewesen sei, ist für Jeden ersichtlich. — Dagegen liefert die in so genauer Übersetzung in die hebräische Sprache wiedergegebene römische Ansprache ein bewährtes Zeugnis, daß wir die in Rede stehende Erzählung nicht etwa als eine Dichtung, sondern als eine in Wirklichkeit vorgekommene Thatsache zu betrachten haben. Frankfurts. M. Süßkind. Theodor Parker über die Mibet und die Juden. Theodor Parker, der bekannte Unita ier, äußert sich über die Bibel also: „Die Bibel hat eine solche Macht über die Welt gewonnen, wie es von keiner Büchersammlung je geschehen ist. Griechenlands Litteratur hat nicht halb so viel Einfluß wie dieses Buch. Nie geht die Sonne über seinen hell leuchtenden