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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-02-01 · Heft 2 (1.2.1891) · p. Seite 37

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 2 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
Seite 37 (sequence 13)
Language
German
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31 Der jüdische junge Mann, der in leichtsinniger Weise eine Familie gegründet, sieht sich bald in die traurige Lage versetzt, seinen Pflichten nicht entsprechen zu können und ist beim Fehlen aller Hilfe, oder beim möglichen Vorhandensein einer kümmerlichen Erwerbsquelle, außer Stande sich und seine Familie zu ernähren. — Kein Wunder, daß er dadurch, in dieser traurigen Lage, oft auf eine schiefene Ebene gerät. Zu allen diesen unglücklichen Verhältnisseil treten leider auch staatliche Beschränkungen hinzu, nicht in der Theorie, wohl aber in der Praxis. Sehr achtbare junge Richter werden oft im Amte übergangen. Ganz unberechenbaren Schaden richtet ferner dazu noch der Antisemitismus an. Der Antisemitismus hat seinen Ursprung in den höchsten Ständen und hat dann, infolge Verkettung von Umständen, seinen Einzug in die untersten Stände gehalten und wahre traurige Thatsache ist es, daß es einem Häuflein gewissenloser Agitatoren gelingt, die Landesbevölkerung gegen uns aufzureizen. Ich muß, meine Herren, gleich hier vom eigentlichen Thema abweichen, um in Kürze Quelle und Ursprung des jüngst aufgetretenen Antisemitismus zu besprechen und möchte zu diesem Ende Manches aus der Vergangenheit vorführen, wodurch der jetzige unselige Zustand beleuchtet und möglicher Weise die Zukunft erschlossen wird. Vor der französischen Revolution tvar ein Element das herrschende, nämlich der große Grundbesitz, welcher sich ausschließlich in den Händen des Hochadels und der Geistlichkeit befand. So legten denn auch die Physiokraten dein Ackerbau allein die Eigenschaft bei, Werte zu erzeugen, jedoch Industrie und Gewerbe waren nicht geachtet und der bewegliche Besitz kam nur zum Zwecke der Steuerzahlung in Betracht. Dazumal nun waren Adel, und Geistlichkeit rechtlich die beiden herrschenden Stände und dazu steuerfrei, während das Bürgertum, die alleinigen Steuerträger, überall zurückgesetzt wurde. Nebstbei» bestanden noch bei den Arbeitern Zünfte, welche so wenig wie das übrige Bürgertum an der Herrschaft über den Staat Anteil hatten. Die ini Jahre 1789 ausgebrochene französiche Revolution hat alle diese Verhältnisse von Grund aus umgestaltet, die ganze Lehensverfassung, die bevorzugte Stellung des Adels und der Geistlichkeit samt allen allen ihren Privilegien wurde beseitigt und das Bürgertum, der sogenannte tiors «'tut, der dritte Stand verlangte die ihm geblihrende rechtliche Stelle. Die Zünfte waren auch schon früher, infolge der Erfindung der Baumwollspinnmaschinen gesprengt. (Schluß folgt.) Tatmud und Koraz. In dem mit obiger Ueberschrift versehenen Artikel in den Monatsblättern (Jahrg. X, S. .224) habe ich die im Talmud vorkommende, den Gedanken: in kürzester Frist versinnlichende Redensart „während man auf seinem Fuße steht" besprochen und dabei aus dem, Horaz nachgewiesen, daß dieselbe bei den Römern gang und gäbe war. Da nun nicht wohl anzunehmen ist, daß eine so eigentümliche Redensart selbständig bei den Juden und bei den Römer» aufgekommen sein sollte, so entsteht die Frage, ob dieselbe von den Juden zu den Römern oder umgekehrt von diesen zu jenen gekommen sei. Bei dem im

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