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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-02-01 · Heft 2 (1.2.1891) · p. Seite 36

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 2 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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36 auch hievon die ersten Grundsätze spielend beigebracht, wie man aus einem Bilde auf dem Zeichenblatte Öen Körper im Ranme sich vorstellt. Das Alles schärft das Denken und macht das Kind zur Arbeit und zu künftigem Erwerbe fähig. Dabei werden sanitäre Rücksichten nie aus dem Auge gelassen. Den Gegensatz zu allen diesem bilden die Cheders, wo schon gegen alle Hygiene, in einer schmutzigen Hütte, unsauber gekleidete Kinder in einem erschreckenden Jargon unterrichtet werden. Das Kind kennt hier weder Reinlichkeit noch Anstand und Sitte, Begriffe hievon werden ihm nicht beigebracht. Es verliert jede Energie, wird ganz mutlos und sanitäre Rücksichten kommen gar nickt in Betracht. — Insbesondere trägt der Jargon nicht wenig znm Unglücke der Juden bei. Der Jargon, welcher Konsonanten verschluckt und die Vokale ganz undeutlich wiedergibt, so daß man Farbe, Beschaffenheit und Quantität gar nicht erkennt, macht das jüdische Kind vom Beginne an für die Zukunft unfähig, irgend welche Sprache rein und richtig zu sprechen, macht auch unfähig Begriffe zu bilden und richtig zu fassen, weshalb ein richtiges Denken und Anschauen darin auch nicht möglich ist. Die menschliche Stimme dient doch gewiß dem Ausdrucke der Erkenntnis, und wird die Sprache, die Seele des Menschen verkümmert, alsdann ist jede Erkenntnis nicht leicht möglich. Der Jargvn ist auch die Hauptursache, daß so wenig erleuchtete Geister, Männer von hoher Begabung bei den Juden in Galizien zum Vorscheine kommen. Während also das Kind aus der heutigen Volksschule Mut, Energie und alle sonstigen Voraussetzungen zu künftigem Erwerbe mitbringt, ist dem Kinde im Cheder schon gleich im Beginn der Grund für Mut- und Erwerblosigkeit und für die traurigste Zukunft gelegt. Dazu kommt der niedrige Stand der Gewerbe und das vollständige Abseitsstehen von jeder landwirtschaftlichen Beschäftigung. Die Gewerbe stehen in Galizien im Allgemeinen nicht hoch, wir haben auch gar keine Gewerbeschulen, aber bei den Juden stehen die Gewerbe auf der möglichst primitivsten Slnfe. In allen Fächern sind sie in der Regel keine entsprechend ansgebildete tüchtige Handwerker. Dabei sind sie gar nicht im Verschulden, sie wollen arbeiten und sogar gut arbeiten, aber es fehlt ihnen die nötige Vorbildung und oft sind sie sogar schreibens- und lesensunkundig. Noch greller ist das Verhältnis bei der Landwirtschaft. Wir haben hier nicht einen einzigen Inden, welcher eine agronomische Anstalt absolvirt und fähig wäre als Oekvnom, Förster oder sogar Leiter eines größeren Landgutes zu wirken, was uns sicherlich zur großen Schande in diesem vorzugsweisen agrikolen Lande gereicht. — Eine fernere Hauptursache der traurigen Verhältnisse liegt auch im leichtsinnigen frühen Heiraten. Der jüdische junge Mann in Galizien heiratet in der Regel in der frühesten Jugend, oft noch bevor er die Volljährigkeit und irgend welche Verstandesreife erreicht, ohne jeden Erwerb nnd ohne jede Fähigkeit oder auch nur Aussicht dazu, ohne daß er ein Getverbe erlernt, oder daß er landwirtschaftliche Kenntnisse erworben habe. Dabei werden zum Betrübnis aller besser Denkenden die Vorschriften des bürgerlichen Gesetzbuches nicht beachtet, ohne Rücksicht darauf, daß die Ehe vom Staate als nugiltig und nicht zu Recht bestehend erklärt wird. Selbst der unfähige Arbeiter heiratet früh und wird ein ebenso unfähiger Meister.

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