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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-02-01 · Heft 2 (1.2.1891) · p. Seite 35

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 2 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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35 Ursachen trauriger UerHättnisse bei den Juden Galiziens, und mögliche Wittel zur Abhilfe. Bortrag gehalten im Bürgervereine zu Tarnopol von Dr. Josef Weisstein, Advokat. Es ist uns allen bekannt, welches Elend lind welche Armut bei den Juden Galiziens herrschen. — Ein großer Teil derselben ist buchstäblich ohne allen und jeden Erwerb. — Die Juden sind sehr sparsam, begnügen sich mit Wenigem, haben aber leider auch das Wenige nicht. — Diese trostlose Lage ist eine seit Jahren andauernde und wird beim Fehlen aller Erwerbsquellen mit dem Wachsen der Bevölkerungszahl noch gesteigert. Das Elend ist gewissermassen fest gebannt und gibt es keinen Heiland, es zu verscheuchen oder zu lindern. Traurige Thatsache ist es auch ferner, daß seit der Einführung des Gesetzes gegen unredliche Vorgänge bei Kreditgeschäften und des Trunkenheitsgesetzes die trostlose materielle Lage der Juden in den kleinen Städten sich »och arg verschlimmerte. Indem nun die Gerechtigkeit obiger Gesetze gar nicht angczweifelt werden kann, können wir mit Sicherheit hoffen, daß gerade diese Gesetze ihre heilsame Wirkung nicht verfehlen und unsere Glaubensgenossen immer mehr und mehr zur Ueberzeugung gelangen werdeil, daß sie ihre Kräfte ehrenhaften Erwerbsquellen zuwenden müssen. Es ist ferner beschämend, aber leider nicht wegzuleugnen, daß die Zahl der Verbrechen aus Geivinnsucht bei den Inden in Galizien eine verhältnißmäßig große ist. Diese traurige Thatsache ist die notwendige Folge der großen Armut und völligen Erwerbslosigkeit, sie findet aber auch zum Theile ihre Begründung darin, daß die Inden mehr dem Handel und wenig den Gewerben obliegen. Forscht man nach den Ursachen dieser traurigen Verhältnisse, so findet man sie in Folgenden:: In der mangelhaften Erziehung in den sogenannten Cheders. Die Cheders, diese Unglücksstätten jüdischer Erziehung, wo das jüdische Kind und hierauf die reifere Jugend körperlich und geistig verkümmert, wo edle Gedanken nirgends znm Vorscheine kominen, wo die ganze Lebensansicht verrückt wird, wo selbst die Begriffe der einfachen bürgerlichen Ehre und Achtung nicht beigebracht werden, legen den ersten Grundstein zum Unglücke der Juden Galiziens und richten unberechenbaren Schaden an. Diese Cheders dauern bereits durch Generationen und Jahrhunderte und ist deshalb die Wirkung mit der längeren Dauer immer eine unheilvollere. In den größeren Städten Galiziens haben sich die Cheders vielleicht teilweise verinindert, aber in den kleineren Städten blühen sie mU ungeschwächter Kraft. Bedenken Sie, meine Herren! de» gewaltigen Unterschied zwischen den heutigen Volksschulen und den Cheders. In jenen wird der Unterricht reinlich angezogenen Kindern, in luftigen und geräumigen Lehrsälen, in einer gebildeten lebenden Sprache erteilt, wodurch das Kind immer mehr an Mut und Energie erlangt und von frühester Jugend an Sitte, Anstand, Denken und auch richtiges Anschauen kennen lernt. Vermöge des jetzigen Lehrplans werden nämlich dem Kinde

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