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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-02-01 · Heft 2 (1.2.1891) · p. Seite 34

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 2 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
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34 ihrer Uebereinstimmung mit den Forderungen der Vernunft und dem Verlangen des Gemütes die Kraft und Fähigkeit besitzt, der Menschheit solch unschätzbaren Dienst zu leisten, daß einzig und allein die von ihr ausgestellten Lehren über das höchste Wesen und über die Beziehungen zwischen Schöpfer und Geschöpfen vor der strengen Prüfung der Wissenschaft bestehen, wie andererseits ihre Sittenlehren ans dem unerschütterlichen Gründe der Gerechtigkeit und Nächstenliebe ruhen. Jüngst ist eine großes Aufsehen erregende Schrift, „Ernste Gedanken" betitelt erschienen, in welcher der christliche Verfasser, von der nicht wegzuleugnenden Thatsache ausgehend, daß die Mehrzahl der Gebildeten dem kirchlichen Leben feindlich gegenüberstehe, es als eine dringende Notwendigkeit bezeichnet, daß das Christentum seine Glaubenslehre völlig ändere und seine wesentlichsten Dogmen, als der gesunden Vernnuft widersprechend, aufgebe. Auch die Seele der für das Judentum warm und treu Empfindenden ist Angesichts der traurigen religiösen Zustände der Gegenwart von ernsten Gedanken erfüllt, auch sie klagt über die Entfremdung und die feindselige Haltung, welche so Viele der Religion ihrer Väter gegenüber bekunden; aber ihr bleibt glücklicherweise die Erwägung fern, daß das Judentum selbst, in seinen Grundlehren und Glaubenssätzen, an der Entfremdung und Feindseligkeit schuld sei, daß eine Aenderung seines ganzen Religionssystems geboten sei, um von Neuem die Liebe und Teilnahme seiner Anhänger zu gewinnen. Nicht das Judentum, sondern die Juden müssen eine Umgestaltung erfahren, nicht Irrlehren in der mosaischen Religion, sondern die irrigen Anschauungen und Begriffe, die in jüdischen Kreisen verbreitet sind, müssen bekämpft, und vor Allem muß die Unwissenheit in religiösen Dingen, die Unkenntnis der jüdischen Vergangenheit, die Unkenntnis der Zwecke und Ziele des Judentums, sie müssen als die gefährlichsten Feinde des Glaubens mit aller Macht beseitigt werden. Ein Jeder kann, ein Jeder soll hierzu beitragen. Wer aber durch seinen Beruf, durch seine Stellung, durch seinen Einfluß nach dieser Richtung besonders erfolgreich zu wirken vermag und es bisher unterlassen hat, seiner heiligen Pflicht zu genügen; wer durch Wort und Schrift, durch Beispiel und Anregung die Liebe zum Judentnme fördern konnte und es verschmäht hat, dieser Aufgabe zu leben; wer in seiner Familie es verabsäumt hat, den Gottesaltar aufzurichten und das ständige Feuer auf demselben zu unterhalten: der sei seiner Sünde heute reuevoll eingedenk, der werde sich der Verantwortlichkeit bewußt, die er auf sich ladet, wenn durch seine Verblendung, durch seine Lässigkeit und Gleichgültigkeit, das Licht des Glaubens verdunkelt und sein milder Glanz getrübt wird, wenn das teure Kleinod, das uuferm Dasein höheren Reiz und Wert verleiht, mißachtet und seine wunderwirkende Kraft nicht mehr wundersam verspürt wird. Was der Einzelne vermag, selbst in ungünstigen Zeitläuften, so er mit Begeisterung und edler Hingabe für eine große Sache eintritt, wie durch sein Vorbild Andere zur Nacheiferung angespornt werden: das lehrt uns das Chanukahfest, daran gemahnt uns das Andenken der Hasmonäerhelden. Möge es fortleben in unserm Innern und uns mächtig anregen zu thatkräftigem Handeln, zu inniger Teilnahme nicht nur an den Schicksalen unserer Glaubensbrüder, sondern auch zur Teilnahme an allen Bestrebungen, deren Ziel ist die Verbreitung des Gottesglaubens, die Erleuchtung des Geistes, die Veredelung des Herzens und die Weihe des Gemütes!

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