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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-02-01 · Heft 2 (1.2.1891) · p. Seite 33

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 2 (1.2.1891)
Date
1891-02-01
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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33 Interesse für daS, was im Leben fördert, Ehre und Auszeichnung einbringt, und das vermag ihre Religion wiederum nicht. Höchstens berührt es sie wohlthuend, wenn einmal einem Juden im bürgerlichen oder gesellschaftlichen Leben eine Anerkennung oder Beförderung zuteil wird, wie sie hinwiederum es schmerzlich empfinden, daß die völlige Gleichberechtigung der Juden noch mancherlei Einschränkungen unterworfen, daß Religionshaß und Vorurteil noch immer so mächtig ihr Haupt erheben. Doch diese Empfindungen, die auch von gerecht und human denkenden Andersgläubigen vollauf geteilt werden, können uns keineswegs entschädigen für den Mangel an religiöser Wärme oder gar für die unverhohlen zur Schau getragene Abneigung gegen alles wahrhaft Jüdische, für die Geringschätzung der hohen Kulturaufgabe, die der Gemeinde Jakobs geworden ist. Eine größere Herabwürdigung unseres ans so unendlich vielen Gefahren geretteten heiligen Erbes, eine gröblichere Verletzung der Pietät gegen unsere Vorfahren, die um ihres Glaubens willen so Unsägliches freudig erduldet haben, kann es gar nicht geben, als wenn Männer, die für alle anderen Fragen des öffentlichen Lebens ein reges Interesse bekunden und am Wohle der Gesamtheit eifrig Mitarbeiten, dem Judentunie gegenüber eine herzlose Kälte verraten und es nicht der Mühe wert halten, für seine gedeihliche Entwickelung, für die Förderung seiner gemeinnützigen Institutionen Teilnahme, ja, auch nur Verständnis zu zeigen. „Sie machten mich zur Hüterin der Weinberge, nur meinen Weinberg habe ich nicht gehütet." Ein solches Verfahren, das zu beobachten wir zu unserem Schmerze allzuhäufig Gelegenheit haben, erinnert an das thörichte und pflichtwidrige Verhalten der feilen Griechlinge zur Zeit des Antiochus Epiphanes, welches von der Geschichte als Verrat an dem eigene» Volke gebrandmarkt ist und fast zum Untergange Israels geführt hätte. O, wenn doch nun auch das Chanukahfest mit seinem hehren Sinnbilde, dem Lichte auf dem Weiheleuchter, unsere Glaubensbrüder erleuchtete, daß sie den ernsten Gedanken Raum gäben, die sicherlich von Zeit zu Zeit ihre Seele beschleichen, daß sie vorurteilslos sich prüften und sich die Frage vorlegten, ob die Religion Israels, der die Welt den reinen Gottesglauben verdankt und die den Menschen zur höchsten Stufe der Sittlichkeit empörzutragen unablässig bestrebt ist, kein besseres Schicksal verdiene, als das, von ihren eignen Söhnen so sehr verkannt, so sehr mit Undank belohnt zu werden, während sie von einer Welt von Feinden umringt und umlagert ist; sie würden reuemütig aussprechen: „Meiner Sünden gedenke ich heute", sie würden aufhören, Andere verantwortlich zu machen für das, was sie selbst durch Mangel an idealer Gesinnung, durch Engherzigkeit und Beschränktheit verschuldet, und es würde der fromme Wunsch und der feste Vorsatz in ihnen lebendig werden, in Zukunft mit größerer Innigkeit und Herzenswärme sich zu schaaren um das altehrwürdige Banner, das der Menschheit voranziehen muß in ihrem Streben nach Wahrheit und Tugend. Denn ob auch die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentumes, zumal seine weltgeschichtliche Bedeutung für die Zukunft des Menschengeschlechtes, von der Mehrzahl der Andersgläubigen rundweg geleugnet und von vielen unserer eigenen Glaubensgenossen stark bezweifelt wird: in den Herzen derjenigen, welche die geistige und sittliche Vervollkommnung für unlösbar verbunden erachten mit dem Glauben an einen einzigen heiligen Gott, lebt die unumstößlich feste Ueberzeugung, daß von allen Religionen auf der ganzen Erde nur die jüdische wegen

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