Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Israelitischen Union" in Wien einen Vortrag über „die guten Dienste, welche uns die Feinde leisten" und Herr I)r. David Fenchtwang über die „Bibel und die neuen Funde in Babylonien und Assyrien." Im „Verein junger Kauflente" in Groß-Secsckerek hielt Herr I>f. Moritz Klein einen Vortrag über die Entwicklung des Handels. — Die Stelle des Pariser Seminardirektors ist Herrn Rabbiner Joseph Lehmann übertragen worden. — Ernst Denan in Paris jüngst über das „Leben Jesu" des Paters Didlon befragt, gab zur Antwort, daß derselbe, ein Sklave seiner Religion unfähig sei, ein solches der Wirklichkeit entsprechend zn schreiben. Er sagte unter anderem: Als ich mein „Leben Jesu" schrieb, hatte ich nicht die Absicht, den Zweifel in das Gewissen der Katholiken zn werfen: ich wollte nur ein Geschichtswerk schreiben; nichts weniger und nichts mehr. Ich fragte mich nicht, ob das, was ich finden würde, dem Dogma entspräche oder nicht; ich hatte nur die Erforschung der historischen Wahrheit im Auge. Ich habe nicht die Evangelien befragt, denn sie widersprechen sich alle; ich fragte die rechten Autoren, stndirte die hebräische Litteratur, namentlich den Talmud, und um mir die richtige Anschauung zn verschaffen, ohne die man kein aufrichtiges Werk schreiben kann, habe ich alle Orte besucht, wo Jesus gelebt hat. Sodann habe ich mich mit Liebe an die Arbeit gemacht. Wenn das Ergebnis meiner Forschungen den Kirchenvätern nicht angenehm ist, desto schlimmer für sie! — I» Rolle starb Herr Ignatz Dlnmenfeld, geb. 1812 in Prodi. Vom Jahre 1856—1860 war er Herausgeber der Zeitschrift „Ozar-Ncchmad", welche wichtige Abhandlungen über jüdische Litteratur enthielt. Seine reiche Bibliothek hinterließ er Herrn Wcrtheimer, Rabbiner von Genf. — Aus London berichtet man: Der Lordmayor Savory wird eine Versammlung der Bürger Londons einbernfe», um der öffentlichen Meinung über die Judenverfolgungen in Rußland Ausdruck zn geben. — In Kurland starb jüngst Herr Freimann im Alter von 116 Jahren. Er hat für seine Tapferkeit in, Feldznge 1812 den Gevrgsorde» erhalten. — In London starb Frau Rachel Prulsie im Alter von 107 Jahren. — I» Spolrnne Falls U. S. hat am Versöhnungstage Miß Ray Frank znm erstenmale bei dem Gottesdienste die Kanzel betreten und gepredigt. Der Gottesdienst wurde nach dem Ritus des Tempels Ahaweth-Chejed in New-Ivrk abgehalten; die englischen Gebete wurden von Mr. Arthur-Benjamin von Auer reeitirt. Die große Beredtsamkeit der predigenden Dame hat den Erfolg gehabt, daß nunmehr eine ständige Congregation gebildet wurde. — Bei Gelegenheit der Immatrikulation am 8. November richtete der Prorektor der Göttinger Universität, Herr Professor Dr. OMI), eine Ansprache au die Studenten, wobei er unter Anderem auch sagte: Hüten Sie sich vor Bestrebungen, welche leider auch auf unseren Hochschulen Platz gegriffen haben, vor denen der Sozialdemokratie und des Antisemitismus. Beide führen den Untergang unserer heutigen Kultur herbei. Jeder, der als Antisemit agitatorisch anftritt, ist in meinen Angen mit einem sittlichen Makel behaftet. — Der Jesuiten-Pater Victor Halb hielt jüngst in Wien eine Predigt über christliche Nächstenliebe und legte seinen Hörern eindringlich ans Herz, daß der Judenhaß eine Sünde sei, daß er gegen die Grundprinzipien, gegen die Gebote Christi verstoße. Das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" gilt für alle Menschen gleich, ob Christ, ob Jude. Man solle den Inden, ans deren Mitte Jesus Christus hervvrgegangen, Ehrerbietung beweisen, und die heilige Bibel, die ein Vermächtnis des Judentums ist, Hochhalten. — Am 25. Oktober feierte Cardinal Wanning in London sein 25 jähriges Bischofsjubiläum. Auf die ihm von einer Deputation unter