Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 werk zerstört. — In der sechsten allgemeinen lutherischen Conferenz in Hannover hielt Herr Pastor Kecker ans Kiel einen Vortrag über „die Erhaltung und Aufgabe der lutherischen Kirche zu der sozialen Frage in der Gegenwart." In dem ersten von ihm aufgestellten Leitsätze heißt es am Ende: Das Hereinziehen der Kirche in diese Fragen trägt vielmehr die Gefahr in sich, die Kirche von der Höhe ihrer von Gott gewiesenen Aufgabe, Trägerin und Vermittlerin des Himmelreichs zu sein, herabzuziehen, die Arbeit der Kirche vorwiegend dem Dienste wirtschaftlicher, politischer, nationaler Interesse zuzuwenden und sie den Massen gegenüber im Lichte einer ihrer Entwickelung hinderlichen sozialen Partei erscheinen zn lassen. — Herr Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Söhmert, der bekannte Sozialpolitiker, sagte unter Anderem in einem Vortrage in Dresden über Armenpflege : Im Gegensatz zn der heidnisch-römisch-griechischen Armenpflege steht die christlich-jüdische, die nicht einfach die Not zu lindern, sondern dauernd die Gründe der Armut zu beseitigen sucht. Namentlich das jüdische Volk zeichnete sich schon früh durch eine praktisch geordnete Armenpflege aus und die Kraft der hierauf bezüglichen Gesetzgebung derselben war so stark, daß sie alle Stürme und Leiden dieses Volkes überdauerte und noch jetzt fortwirkt. — Der Antisemiten-Zpiegel (Danzig A. Kafemann) zeichnet sich durch strenge Sachlichkeit in der Behandlung der Judenfrage aus und ist besonders geeignet, Verleumdungen gegen Juden und Judentum als solche zu brandmarken. Eine massenhafte Verbreitung dieser Schrift in christlichen Kreisen wäre geeignet, versöhnend auf die Gemüter einzuwirken und dem wüsten Treiben gewissenloser Hetzer den Boden zu entziehen. — Die Herren Sockel und Liebermann von Sonnenberg haben auch in der Rheinprovinz Versuche gemacht, ihre antisemitische Agitation in's Werk zu setzen. Sie werden nicht müde, schreibt die „Düsseldorfer Zeitung", die Schmach des deutschen Volkes fort und fort zn kültiviren, als gelte es die Rettung und Sicherung eines hohen nationalen Gutes, die Erfüllung eines Gebotes der christlichen Nächstenliebe. — Man schreibt uns: Dem jüdischen Referendar Herrn. Henfey in Hildeshcim wurde die Beteiligung an dem gemeinschaftlichen Mittagstisch der Herren Referendare und Assessoren nicht gestattet. Benfey beschwerte sich dieserhalb bei seiner Vorgesetzten Behörde und bat um Versetzung. Diesem Gesuche wurde nicht stattgegeben, sondern seine antisemitischen College» sind in recht unerwarteter Weise von dort versetzt worden. — Der antisemitische „Verein deutscher Studenten" zu Halle a. d. S. hatte zu seinem Moltbe-Kommers zahlreiche Ehrengäste, nur nicht den Rector der Universität, Professor Kernstcin, der bekanntlich Jude ist, eingeladen. In Folge dessen blieben auch die sämmtlichen übrigen Mitglieder der Universität dieser Veranstaltung fern, der einige Pastoren und frühere Militairs beiwohnen zu können sich als Ehre anrechneten. — Im schulwissenschaftlichen Bildungsverein in Hamburg hielt Herr Seminarlehrer Dr. Keferstein einen Vortrag über „die Schule als Mitarbeiterin am Friedenswerke im Volks- und Staatsleben." Er sagte unter Anderem: Am meisten sei in dieser Beziehung das Antisemitentum zu bedauern, das nur dazu da sei, um Unfrieden zu stiften. — Der Magistrat in Hildesheim hat der jüdischen Gemeinde daselbst einen Platz zur Anlage eines neuen Friedhofes unentgeltlich überwiesen. — In St. Johann wurde am 21. November die neue Synagoge eingeweiht. — Im Jahre 1889 hat die jüdische Gemeinde in Serlin 2,658,180 Mark eingenommen und ebensoviel verausgabt. — Aus Köln wird dem „Jsr. Gemeinde-Blatt" geschrieben: Unter den vielen Reliquien, welche in den hiesigen katholischen Kirchen aufbewahrt werden, zeigt man auch die Ueber-