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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 15

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 und vollziehen sich noch fort und fort, die an Großartigkeit und Erhabenheit nichts zu wünschen übrig lassen und die kanin noch übertrosfen werden können. Und die Menschen, die solches vollbracht und die sich in ihren Werken mit Recht für gottähnlich halten, haben znin Teil den Glauben an Gott verloren; von ihren Erfolgen berauscht, nbcrheben sich Manche in ihrer Betänbnng und die Verblendung geht oft soweit, daß sie alles Göttliche, als etwas Lästiges, Unnützes, ja geradezu Hemmendes leichtfertig von sich abschütteln. Solche freigcwordene Sklaven rasseln nun mit den ihnen von ihrem Glauben feingeschmiedeten Ketten und werfen sich zorn- und racheschnanbend ans den Sündenbock der Völker, ans die Inden! Das ist der Dank für die zahllosen und unschätzbaren Dienste, welche das jüdische Volk der gesitteten Welt und vornehmlich der Christenheit geleistet! Muß da nicht jeder rechtlich denkende und gläubige Christ erröthen? Wie kann ein gebildet sein wollender Christ solche Schändlichkeiten dulden? Und >vie darf die christliche Geistlichkeit mit verschränkten Armen zusehen? wie darf sie glcichgiltig bleiben, wenn im Namen der christlichen Religion, zur Ehre Gottes und seiner Kirche, solch' verabschennngswiirdige Thaten verübt und vollzogen werden, lute sie in unserer Zeit leider zur Tagesordnung gehören? Die menschliche Sprache ist zu schwach, um diese Berirrnngcn des Menschengeistes gebührend zn brandmarken. Ein Schrei der Entrüstung dnrchdringt die gesittete Welt und —damit soll's genug sein! Nein und tausendmal nein! Das Uebcl erkennen, ist an und für sich schon die halbe Heilung, aber der verständige Arzt darf sich's damit nicht genug sein lassen, er muß das Uebel ganz beseitigen, soll der Kranke wieder genesen! Nun denn, jeder vernünftige und seinem Glauben treu anhangcnde Christ ist von der Ueberzengnng durchdrungen, daß der Weg, den die Antisemiten einschlagen, ein solcher ist, der unfehlbar zu einem bodenlosen, Tod und Verderben in sich bergenden Abgrund fuhrt, er weiß es ganz genau, daß das Treibender Antisemiten ein verderbliches, nicht genug zn verdammendes ist und muß zugeben, daß die Unduldsamkeit, welche die Antisemiten ans den Thron erhoben haben, jede edle Regung des Menschenherzens vernichtet, daß sie jedes bessere Gefühl im Menschen ertötet und daß die Menschheit durch dieselbe immer mehr und mehr verroht und verwildert! Darum ist es auch die heiligste mib die wichtigste Pflicht jedes denkenden Christen, sich nicht nur von solch' ekelhaftem, fluchbeladenem und gottlosem Treiben voll Abscheu und Entrüstung fernzuhalten, sondern auch den Antisemitismus entschieden zn verdammen und ihn überall, wo er auftritt, in Gemeinsamkeit niit den Inden bekämpfen zn helfen mit den Waffen der Religion und Humanität, die endlich zum Siege führen müssen. Hat die Christenheit die ehrliche Absicht, sich nicht blos als Bekenner der Religion der Liebe zn geriren, sondern dies auch im Leben draußen durch ihre Handlungsweise zu bezeugen, und wird dieselbe in diesem ihrem gottgefälligen Thun von ihren Priestern kräftigst und nachhaltigst unterstützt, dann, aber auch nur dann gehört der Antisemitismus der Geschichte an und das Christentum selber steht dadurch glänzender als je zuvor da und wird im Vereine mit dem alten Jndentum — das von vielen nicht gekannt und eben deshalb so oft und soviel verkannt ist — Heil und Segen über die ganze Menschheit bringen. Mögen die edlen und erleuchteten Geister unter Inden und Christen gemeinsam für diese erhabenen Ideen bald in den Kampf treten! Der Sieg kann nicht ansbleiben.

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