Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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einen Naturbauin, einen verschiedenen bei den verschiedenen Völkern. In dem Marienkultus sucht inan auch dafür eine speziell christliche Begründung. Nach der Sage soll Maria mit dein Jesuskind auf der Flucht unter einein Banin gerastet und dieser, von dein Schein der darunter ruhenden Heiligen beeinflußt, geleuchtet haben. Alzey. Dr. Rothschild. Aas Gesetz der Nächstenliebe und der Antisemitismus. Das Christentnin oder die christliche Religion, nennt sich mit Stolz: „die Religion der Liebe " Liebe ist nnd soll daher das Grundprinzip der Religion des Christentnins sein. Und iit der That Horen ivir zu allen Zeiten und an allen Orten, aus dem Munde christlicher Priester, aber auch von einfachen schlichten Christenmenschen, die erhabene und erhebende Predigt von der Nächstenliebe! Die alte, echte und rechte original-jüdische Lehre von der allgemeinen Menschenliebe, das uralte unverfälschte jüdische Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" es wurde von der neuen Lehre angenommen und sie hat an dem sich angeeigneten Besitz, welcher bestimmt ist, das Gemeingut aller Menschen zu sein, eine solch' eifersüchtige Freude, daß sie oft in selbstsüchtiger Weise diesen heiligen und geheiligten Ausspruch ausschließlich als die hervorragendste Errungenschaft des Christentums erklärt nnd daran vergißt oder vergessen will, daß die Menschheit diese beseligende nnd beglückende Lehre einzig und allein dem Judentnme, oder besser gesagt, der mosaischen Lehre zu verdanken hat. Aber die Bekenner der Moseslehre hätten gar nichts dagegen, daß das Christentum auf dem Lebensmeere unter dieser Flagge segle. Jeder Jude inüßte sich darüber freuen, daß sein wichtigster Glaubenssatz auch zum Stützpunkte der Tochterreligion geworden ist. Ja, kein Israelit würde sein Prioritätsrecht nach dieser Richtnng hin geltend machen, wenn er sehen würde, daß die Christen diese hochheilige Nächstenliebe nicht nur der Welt verkünden, sondern, — und darauf kömmt es vornehmlich an — auch zu jeder Zeit und gegen alle Menschenkinder durch ihr Thun bethütigen! Wie dankbar wollte das Judentum dem Christentum sein, wenn die neue Lehre, als treue Mitarbeiterin auf dem Felde der Menschenliebe, Schulter an Schulter mit der alten Lehre, die Unduldsamkeit und den Haß bekämpfen nnd der Nächstenliebe immer tveitere Gebiete erschließen wollte. Wie würden die Juden die Christen segnen, wenn sie in ihnen ihre mächtigsten Bundesgenossen erblicken könnten! Die öou dem Einig-Einzigen dem israelitischen Volke übertragene hochwichtige Mission: die Erkenntnis Gottes durch den Glauben an Einen Gott nnd das Ärundprinzip der Liebe, durch die Bethätignng von Liebeswerken an allen Geschöpfen dieses einen und einzigen Gottes, Hütte das Judentum nie nnd nimmer in dem Maße erfüllen können, tvenn nicht das welterobernde Christentum mit seiner Macht nnd mit seinem Ansehen dabei kräftigst mitgewirkt hätte, und diese Mithilfe kann nnd darf die Christenheit auch fernerhin dem alten Bunde nicht versagen, so sie ans der Höhe ihrer Ausgabe sich erhalten will. Diese Wahrheiten erwähnen wir nur ans dem Grunde, weil wir die traurige Thatsache constatiren müssen, daß die christliche Religion heutzutage von vielen ihrer Bekenner falsch verstanden, ja geradezu geschändet wird! Wir kommen hier-