Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Man erzählte: Beim Anzünden des Gottesleuchters im Tempel habe Judas Makkabäus »ur «och ein Krüglein heilige« Oels vorgefnnden, welches, für einen Tag bestimmt, wunderbarer Weise acht'Tage gereicht habe, bis neues Oel bereitet worden sei. Hiermit hat mau auf das Haus der Makkabäer hindeuten wollen, worin allein das Licht der Religion erhalten blieb und fvrtgebrannt hat, bis auch bei Anderen das Licht der Religion lvieder entflammt worden ist. Mit der unterdrückten Festfeier unterblieb natürlich auch die Festbeschernng; die Notlage der damaligen und nachfolgenden Zeit ließ eine Freude daran nicht aufkvmmen. Aber der Ursprung der christlichen Weihnachtsbescherllng liegt ebenfalls bei den Inden. Denn die ersten Christengemeinden feierten, wie andere jüdische Feste, auch das jüdische Chanuka d. i. Weihnachtsfest, bis ans der Kirchenversammlung zu Nieüa (324) eine getrennte Feier angeordnet wurde, wie für Sabbat und Passa auch für Chanuka (Weihnachten) und zwar wurde für letztere Feier das Datum des damaligen Jahres, der 6. Dezember, festgehalten, worauf nach dem Ausgleichnngsinodns des Mond- und Sonnenjahrs das jüdische Chanukafest damals fiel und alle 19 Jahre fällt; über den 25. Dezember hinaus fällt es nie. An diesem Tage (6. Dezember) feierte» die Christen von da ab ihre Weihnächte» (Chanuka), bis im Jahre 354 Rom veranlaßte, sie auf den 25. Dezember zu verlegen. Die Kirche behielt jedoch auch die Feier des 6. Dezember als Bescherungstag bei und nennt ihn Nievlaus-Tag, nach dem gleichnamigen Bischof Nievlans, welcher als Kinderfreund bekannt war und im Bilde auch so dargestellt wird, von einer Kinderschaar umgeben und an diese Geschenke austeilend. Es erübrigt noch, den Weihnachtsbaum zu erklären. Die Bäume, und uirt'er diesen wieder besondere Arten, wurden bei allen Völkern des Altertums heilig gehalten; in Wäldern und unter Bäumen (Haine) wurden die Götter verehrt. Die Bibel spricht ebenfalls von einem Baume der Erkenntnis und des Lebens im Paradies und schreibt für den Tempel einen Lichterbanm vor, aus Gold gefertigt, mit Stamm und Aesten, Kelchen, Knospen und Blüten (Exod. 25, 31). Denn Licht ist das Symbol der Erkenntnis, besonders der religiösen, welche dem Menschen nicht als reife Frucht in den Schoos; fällt, sondern errungen werden muß, langsam wachsend >vie die Pflanze, allmälich reifend wie die Frucht des Baumes. Auch das Leben der Menschen (Baum des Lebens) unterscheidet sich von dem der Tiere. Das Tier wird als ein fertiges lebendes Wesen hervorgebracht, der Mensch lebt erst nach der Bildung seines Leibes durch den göttlichen Odem. Sv die Schöpfungsgeschichte der Bibel (Gen. 1). Das junge Kalb springt alsbald nach der Geburt munter umher, das junge Küchlein sucht sich sofort, nachdem es die Eierschale verlassen hat, emsig seine Nahrung. Das Leben des Menschen, Hin leibliches und geistiges, reift erst langsam und allmählich wie der Baum, die Pflanze. In der'christlichen Kirche erklärt sich das Halbdunkel, worin deren gotischer Bai; gehalten wird, wie die Banfvrm, worin die gotischen Kirchenfenster gehalten werden, mit Stamm, Aesten, Krone (Kreuzesblunie), Blättern (kleine Scheiben), durch welche nur spärliches Licht fällt, gleich dem Lichte, welches die Blätter eines dichtbelaubten Baumes dnrchlassen, aus dem Dunkel eines Waldes oder Hains, von dichten Bäumen gebildet, welches nachgeahmt und an welches erinnert werden soll, als die ehemalige Kultnsstätte vorchristlicher Zeiten. Die Inden ahmen an ihrem Weihnachtsfeste darum den Lichterbanm des Tempels nach, die Christen nehmen in Anlehnung an die Anschauung und Sitte heidnischer Völker