Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 ältere Geburtstagsfeier Jesu im Orient aur Epiphanias-Tage (6. Januar) gehalten wurde; die Verlegung derselben auf Weihnachten resp. den 25. Dezember ging von Noi» und dein Oeeident ans und beeinflußte auch allmählich die bezügliche Feier des Orients. Selbst in Rom wurde während der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts diese Gebnrtsfeier noch am Epiphaniastage gehalten; erst 354 war in Rom diese Feier zum ersten Male an Weihnachten, am 25. Dezember, der Orient nahm diese Aendernng erst später an, Aegypten und Jerusalem erst ini 5. Jahrhundert. Im alten Rom wirkte dafür die Bedeutung des 25. Dez. mit, welcher als Wintersanfang gefeiert wurde, als der erste Tag, an welchem die Zunahme des neuen Sonnenlichts nach Solstitium bemerkbar wird. Gleichzeitig war dieser Tag ursprünglich Jahresanfang. Die Nengeburt des natürlichen Lichts ^übertrug man dann ans die Nengeburt des geistig-sittlichen Lichts, ans Jesus. So wurde dieser Tag als Geburtstag Jesu und als Weihnachtsfest gefeiert. Da aber das Fest eine Octave d. i. achttägig war und in der katholischen Kirche noch ist, wie auch in der evangelischen Kirche am achten Tage das Weihnachtsfest durch nochmaliges Anzünden der Weihnachtslichter wieder anflebt, so füllt auch in der Kirche der Neujahrsaufang mit dem astronomischen Kalender, das Weihnachtsfest mit dem Neujahrsfest zusammen. Hierin findet die Verlegung von Jesu Gebnrtsfeier auf Weihnachten ihre Erklärung, aber nicht Ursprung und Bedeutung der Weihnachtsfeier. Dieses Fest ist ursprünglich jüdisch und ging, wie andere Feste, von der Synagoge in die Kirche über, ist auch wie das jüdische Fest achttägig. Das jüdische Fest heißt Chanuka d. h. „Weihe" und wird heute noch zur Erinnerung an den Sieg der Makkabäer über die Syrer gefeiert, zu dessen Andenken es eingesetzt wurde, als Judas Makkabäns die polytheistischen Heiden, welche das monotheistische Judentum bedrohten, besiegt und vertrieben hatte. Die Götzen wurden entfernt, der Tempel wurde wieder neu geweiht, (daher der Name Weihefest) und der Gotteslenchter im Tempel wieder angezündet. Dies fand am 25. Kislev 164 v. Ehr. statt, für diesen Tag wurde eine alljährliche Festfeier von acht Tagen angeorönet und festgesetzt, daß, >vie im Tempel, auch in den Häusern allabendlich Gvtteslichter angezündet werden sollen, zum Zeichen, daß die erloschene Gottesflamme wieder aufs neue in den Tempel», Häusern und Herzen der Israeliten hell leuchte. Weil die Feier des christlichen Weihefestes sich beim Anzünden der Lichter ans die Abende eoneentrirte, entstand später der Name Weihnachten (Nächte). — Das Fest war auch, wie heute noch, mit Spiel, Geschenken und Belüftigungen für Erwachsene und Kinder verbunden; daher die Sitte der Bescherung an Weihnachten. Der Monat Kislev, an dessen 25. das Fest gefeiert wird, entspricht dem Monat Dezember. — Daß die Inden ihr Weihnachtsfest tChanuka) nicht mehr in altgewohnter Feierlichkeit begehen, fchreibt sich von deren Verfolgung durch Kaiser Hadrian her. Zu dessen Zeit erhoben sich die Inden zur Abweisung der römischen Fremdherrschaft unter Anführung Bar Kochba's <132 n. Ehr.). Die Inden hatten durch die Feier ihres Weihed. i. Chaunkafestes ihren Mut an dem der Makkabäer gestählt. Dies erkannte Hadrian und verbot deshalb die Feier des Festes und die Vorlesung der Makkabäer- Geschichte. Die am Feste in den Synagogen vorgelesene „Rolle des Antiochus" (so hieß der König der -Syrer, gegen welchen Judas Makkabäns gekämpft hat) ist durch dieses Verbot im Original verloren worden und nur noch in Uebersetzung vorhanden. Um aber dennoch die Erinnerung an die Geschichte und Bedeutung dieses Festes zu erhalten, verhüllte man dieselbe in ein Wundermärchen.