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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 9

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 ausgewichen, es hat in den Stürmen der Verfolgung, die den Stamm seines Daseins uniznbrechen drohten, zunächst die mächtige Wurzel desselben, den heiligen Gottesglallben tief in seine Seele gepflanzt und dem Geiste der Wahrheit, der in seinem Herzen lebte, auch die leuchtende Weihe der That verliehen. Es hat die Ehre des ewigen Gottes höher gestellt als den Besitz des vergänglichen Daseins und obzivar zunächst die Klugheit es geraten, die Selbstliebe es geboten Hütte, sich eher in Frieden zu unterwerfen und vor den fremden Göttern das Knie zu beugen, als freiwillig in den Tod zu gehen und notgedrungen zu den Waffen zu greifen, es doch vorgezogen, für Gott zu sterben als ohne Gott zu leben. Sollten wir dieses Heldentum nicht bewundern? nicht bewundern die Geistesstürke und Glanbenstreue. die zunächst in Israel einen herrlicheil Siec; über die träge thatenscheue Selbstliebe errungen und dann auch den Feind mit allen seiner zahlreichen und mit aller seiner furchtbaren Kriegsmacht erfolgreich bekämpft und zurückgewiesen hat? Wahrlich! dieser Heldenmut des Geistes, dem die Makkabäer durch Thaten der Treue und der Opferwilligkeit eine so unverlöschliche heilige Weihe verliehen haben, sollte auch uns ein leuchtendes Vorbild sein, daß auch wir in den Stunden der Versuchung, in denen Israels Gottessinn und Glaubenstreue sich erproben soll, nicht anstehen, der Wahrheit die Ehre zu geben und unserer heiligen Ueberzeugung auch in Thateu der Hingebung und Opferfreudigkeit die volle Wirksamkeit zu verleihen. Feinde und Verfolger erheben sich auch heute auf allen Seiten gegen Israel, die Waffen der Bosheit und des Hasses werden aus den Rüstkammern finsterer Zeitalter lvieder hervorgeholt, und nicht immer wegen seines Glaubens, sondern oft wegen seines Unglaubens wird Israel von allen Seiten bekämpft und angegriffen. Lassen wir es nicht dahin kommen, daß die, die sich zu Richtern über uns aufwerfen und ihr Verdauimungsurteil über uns aussprechen, Recht behalten! die Gewalt haben wir nicht zu fürchten, wenn >vir feststehen auf dem Boden des reinen ehrlichen Gottessinnes; die Thaten der Gerechtigkeit und des Edelsinns, die wir üben, sind mächtige Waffen, die den Feind besiegen und den Ankläger aus dem Felde schlagen. Verlassen wir uns nicht auf die äußere Macht, nicht auf unseren Besitz und unser Ansehen, sondern auf die Macht des Geistes, die in uns lebt und wirkt, denn nicht durch Stärke und Gewalt, sondern durch meinen Geist! lautet das göttliche Wort. Den Thaten, die wir üben, dem Werke, das wir vollführeu, soll daher die Weihe des göttlichen Geistes nicht fehlen. Die Geschichte der Makkabäer ist später fast ganz vergessen, das Andenken des großen Heldenmuts, den sie im siegreichen Kampfe gegen die mächtig heraustürmenden Sprerheere bewiesen haben, ist im Laufe der Zeiten fast bis auf die letzte Spur ausgelöscht worden, so daß die Weisen des Talmuds die Frage aufwerfen müssen, warum denn eigentlich Israel seine Chanukatage feiert, und ans welchem Grunde es die Weihelichter an denselben erstrahlen läßt. Hat da die Nachwelt nicht recht undankbar gehandelt, daß sie diese ewig denkwürdigen Ereignisse einer unverdienten Vergessenheit übergab? Haben die Makkabäer es verdient, daß die Bücher, in denen uns von ihren Kämpfen und Siegen erzählt wird, aus dem Kreise unseres Schrifttums ausgeschieden wurden, so daß sie von uns im letzten Jahrhunderte gleichsam erst wieder entdeckt werden mußten? Allein wir wissen es ja, daß das siegreich und mächtig gewordene Israel den Geist der Gottestreue, dem es seine Größe zu verdanken hatte, gar manchmal wieder untergehen ließ, als ob derselbe nur in den Zeiten der Gefahr und der Bedrängnisse ihm beistehen, aber in den Tagen

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