Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ewigen, seine Gott geweihte Gesinnung, sein heiliges Bewußtsein von der Wahrheit und Hohheit der göttliche» Lehre auch durch die That zu bezeugen, oder ob es vor derselben zurückschrecken, sich der müßigen Verzweiflung in die Arme werfen, sich feiger Angst und träger Zaghaftigkeit hiugeben werde, wo es gilt, für seine Ueberzeugung mutvoll einzustehen und wenn es sein muß, auf dem Altäre unwandelbarer Gottergebenheit sich selbst zum Opfer zu bringen. Die Versuchung, die damals über Israel kam, war weit schlimmer, weit gefahrvoller, als alle die Heimsuchungen, die es jemals zu bestehen gehabt hatte. Bisher war ihm zwar schon manchnial der Untergang und die gänzliche Vernichtung angedroht worden, es war der blinde Haß, der sein grimmiges Schwert nach ihm ausstreckte, es war der gierige Neid, der seine giftige Pfeile ihm entgegenschleuderte, es war die Herrschaft eines Pharao oder die Rachsucht eines Haman, die mit herzloser Grausamkeit die Ausrottung eines Volkes plante, das ihrem wüsten Ungestüm hinderlich im Wege zu stehen schien, jetzt aber war es die wohlberechnete Üeberlegung, die nach den Kindern Israels ihre Netze ausbreitete. Antichus Epiphanes hatte es gar nicht auf das jüdische Volk abgesehen, das er spurlos von der Erde vertilgen wollte, sondern vielmehr auf den jüdischen Gottesglauben, auf die Lehre und die lichten Wahrheiten des Judentums, die er mit dem Schwerte vernichten und mit roher Waffenmacht zerstören zu können glaubte. Er wollte Einheit des Glanbeus, Einheit der Religion in seinem' Reiche schaffen; die dem Könige unterthan waren, die sollten auch den Göttern des Königs huldigen müssen und da war ihm eben die Einheit Gottes, in deren Bekenntnis Israel allein dastand, ein ärgerliches Hindernis gewesen, das er, auch wenn er bei einem anderen Volke es angetroffen hätte, mit aller Macht bekämpft haben würde. In dem Befehle des Königs, daß alle Bewohner seines Reiches das Bild des griechischen Gottes in ihren Tempeln zur Verehrung aufstelleil müssen, wäre für Israel gar keine Gefahr vorhanden gewesen, wenn es eben demselben sich unterworfen, den Glauben der Väter verlassen und mit seiner ganzen lichtvollen Vergangenheit für immer gebrochen hätte. Die Gefahr für Israel stand nicht in dem Zwange, dem ja so viele andere sich leichten Herzens unterworfen hatten, sondern gerade in der Freiheit der Wahl zwischen dem Leben und dem Tode, zwischen der Verleugnung seines Glaubens oder der Hinopferung seines Daseins. Antiochus hatte nicht unbedingt den Tod der treuen Gottbekenner gefordert nein! er drohte ihnen denselben nur an. im Falle sie es nicht vorziehen würden, einen geistigen Selbstmord zu begehen. Da war die Wahl in der That nicht leicht, es war eine harte Probe und schwere Versuchung, die jetzt an sie herantrat; sie hatten sich zu entscheiden, ob sie für Gott ihr Leben oder ob sie für ihr Leben Gott preisgeben wollten. Und da hat nun Israel der Welt das Beispiel gegeben, daß man Religion und Wahrheit, Gottestreue und heilige Gesinnung nicht mit Waffenniacht bekämpfen und besiegen, daß man Ueberzeugungen, die in Seele und Gewissen liegen, nicht mit eherner Gewalt unterdrücken und vernichten könne, und Zeugnis davon gegeben, daß der Geist Gottes, der in dem Worte des Herrn sich ihm offenbart, auch in seinem Herzen lebt und nicht nur in seinem Herzen lebt, sondern auch in seinem Leben herrscht und wirkt und in seinem Wirken ihm unbesiegbare Kraft und unauslöschlichen Mut verleiht. Ja, Israel hat in dieser Zeit den Mut des Glaubens bezeugt, den Mut des Lebens und des Sterbens für Gott, der sich in Thaten der Treue und der Aufopferung bekundete; es hat der Versuchung nicht nachgegeben, es ist dem Drucke nicht