Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 werden mußte. Es ging darum nicht au die Zahl der bestehende» Feste zu vermehren und aus eigenem Ermessen Einrichtungen zu treffen, die ja doch nur durch den heilige» Geist des prophetischen Wortes ihre göttliche Weihe erlangen konnten. Aber das ist nicht der einzige und allein maßgebende Grund, den ivir für diesen Mangel an Weihe, der gerade das Fest der Weihe kennzeichnet, anzuführen hätten, und ist recht eigentlich gar kein Grund dafür, denn er findet in sich selbst seine Widerlegung und erweist sich bei nährerer Prüfung als falsch und hinfällig. „Nach der Lehre, die deine Weisen dir erlheilen und nach der Vorschrift, die sie verkünde», sollst du handeln und sollst nicht weichen von dem Worte, das sie dirverknnden werden weder nach rechts noch nach links," heißt es in der Thora. Hier bemerkt der Talmud, ist es klar ausgesprochen, daß in jeder Zeit die Weisen als die berufenen Wächter und Hüter des Judentums das Recht haben, nach ihrer von dem Geiste der Erkenntnis und der Gottesfurcht geleiteten Einsicht auf dem Gebiete der Religionsnbnng zweckmäßige Neuerungen und Umgestaltungen gezuführeu, gegen die ein Widerspruch nicht erlaubt ist. Hierauf gestützt, haben auch unsere Weisen zu ihrer Zeit die Chanukatage eingesetzt, deren Feier, obzwar sie in alten Satzungen unserer Lehre nicht ausdrücklich angeordnet, uns dennoch gemäß jener allgemeinen Mahnung als Uebnng einer göttlichen Vorschrift gilt, wie dies in dem Segensspruche bezeugt wird, in welchem der Ewige gepriesen wird, der durch seine Gebote uns geheiligt und uns befohlen hat, das Licht der Weihe anzuzünden. Wir können demnach nicht mehr behaupten, daß es wegen der bereits abgeschlossenen Entwickelung des Judentums unmöglich gewesen wäre, die Gedenktage der makkabäischen Freiheitssiege mit größerer Weihe ausznftatten, und müssen einen tieferen, sicheren und einleuchtenden Grund hierfür anfsnchen, der uns über die wahre Bedeutung des Festes aufklärt und den Zweck seiner Feier uns erkennen läßt. Und da wir ihn suchen, so finden wir ihn auch, finden ihn ganz deutlich ausgesprochen in dem göttlichen Worte, das durch den Propheten uns zugerufen wird: „Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige und Allmächtige." Channka ist gar kein Gedenkfest menschlicher Siege und Machterfolge, sondern ein Weihefest des göttlichen Geistes, der in uns stets schaffen und fortwirken soll: Channka bezeichnet, nicht die Vollendung eines Erlösungswerkes der Vergangenheit, sondern die Grundlegung zum Aufbau einer neuen Zukunft; Channka fordert uns zur Arbeit auf und nicht zur Ruhe, zur Ausschau in das Leben mit seinen ernsten Pflichten und erhabenen Zielen und nicht zur Rückschau auf vollbrachte Werke und errungene Erfolge. Nicht so sehr den Aufruf zur stille» inneren Heiligung vor Gott will es an uns richten sondern vielmehr die Mahnung an eine wirksame Bethätignng der hohen in ihm ruhenden Gedanken nach außenhin ist es, was es als den Hauptinhalt seiner Lehre uns an's Herz legt. Es ist kein Ruhefest, es ist kein Feiertag, wir können es in seinem Lichte als den vielverheißenden Anfang einer besseren Zeit erkennen, bei welchem wir aber auch nicht stehen bleiben dürfen, sondern vielmehr daran denken müssen, das begonnene Werk fortzusetzen, bis es zur bleibenden Vollendung gelangt ist. Die Weihe des Geistes durch die That und die Weihe der That durch den Geist. Das ist seine Lehre, die es uns zu Bewußtsein bringen will. Zum ersten Male sah sich Israel zur Zeit der Makkabäer auf die Probe gestellt, ob es im Stande sein werde, seinen Glanben, seine Treue gegen den