Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1891)
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Wir begrüßen daher mit Freuden das Anerbieten eines unserer Mitarbeiter, uns kurzgefaßte Juhaltswiedergaben einiger ihm zur Verfügung gestellter, besonders anziehender und lehrreicher Schriften, wie sie jenseits des Oeeans in großer Weise mit weitgehender Wirkung und mit großem Nutzen für Religion und Bildung verbreitet werden, znznstellen. Vielleicht geben wir durch die Wiedergabe dieser kurzen Abhandlungen noch mehr Veranlassung zur einer populären Behandlungsweise religiöser Fragen und zur Entstehung derartiger leichtfaßlicher und weitwirkender Litteraturstücke überhaupt in unserer Mitte. Ein solcher Erfolg würde alle unsre Wünsche krönen! Zum WaKKabäerfeste. Eine volle Woche hindurch feiern wir mit erhebendem Lobgesang und bei freundlichem Lichterglanze das Andenken der göttlichen Wunder- und menschlichen Heldenthaten, durch welche einst um diese Zeit Israel von hartem Drucke erlöst und von schwerer Gefahr errettet worden ist. Diese Tage der Erinnerung, die die hohe, und segensreiche, verheißungsvolle Bedeutung jener ruhmwürdigen Ereignisse uns vorführen, bilden selbst ein unvergängliches Ehrendenkmal, das Israel seinen Befreiern, dem greisen Matatia, dem jugendlichen Juda Makkabi und allen, die mit ihnen in den heiligen Kampf für ihres Volkes Rechte und Freiheit, für ihres Gottes Ehre und Lehre ausgezogen sind, mit dankbarem Herzen errichtet hat; sie sind uns Tage der Weihe, an denen wir unseren Blick zum Himniel erheben und die Gnade des Herrn bekennen, die unseren Vätern zu rechter Zeit die ersehnte Hilfe gebracht hat, die Macht des Ewigen Preisen, der das wehrlose Israel mit Kampfesmut und Heldenkraft ausgerüstet hat, daß es über die furchtbaren feindlichen Heeresmassen hinweg von Sieg zu Sieg fortgeschritten ist, bis es jubelnd zu den Höhen Zions emporstieg und in dem Heiligtuni des Herrn wiederum erstrahlte das göttliche Licht in ungetrübter Reinheit und Weihe. Fürwahr! das war eine lichtvolle und ruhmreiche Zeit in der Geschichte unserer Vorfahren, in die wir uns gerne zurückversetzen dürfen, um auch unsere Seele mit ihrem Glanze zu erfüllen und mit ihrem Geiste zn erleuchten, das waren große und denkwürdige Ereignisse, die in Israel, dessen Geschichte trotz ihrer mehrtausendjührigen Dauer nur wenige solcher Erinnerungen aufzuweisen hat, niemals vergessen werden sollten. Wie kömmt es nun aber, daß die Chanukatage dennoch nicht zum Range eines besonderen heiligen Gottesfestes erhoben wurden, daß sie dem farbenreichen Blütenkranze unserer herrlichen Festeszeiten gleichsam nur als blasse und reizlose Winterblume sich anfügten? Sind sie denn nicht auch liebliche Pflanzungen, die in dem Garten der Religion aufgesprosseu und auf dem Boden der Gotteslehre emporgewachsen sind? Oder sollte etwa auch auf diesen Gefilden der erstarrende Frosteshauch des Winters jedes Gedeihen und Aufblühen verhindern und in nuferer Mitte eine hohe und vollkommene Festesfeier mit der kalten trüben Jahreszeit sich nicht vereinen lassen? Wir könnten uns zwar die Beantwortung dieser Frage ganz leicht machen und darauf Hinweisen, daß das Judentum in den Tagen der Makkabäer schon lange eine fertige Gestalt angenommen hatte und jede neue Zuthat zur alten Lehre, jeder weitere Ausbau des heiligen Gottesgesetzes als eine blos dem menschlichen nicht aber auch dem göttlichen Willen entsprechendes Werk betrachtet