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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Wie dem auch sei! Es gilt auch hier mit dem Gegebenen, mit dem herkömnilichen Schlendrian, dem durch Gewohnheit gleichsam Geheiligten zu brechen, und sich dem Einflüsse und dem Bedürfnisse einer neueren Zeit, neuer Verhältnisse und Bildungsvoraussetzungen zu erschließen. Popularität! Im breiten, gewaltigen, mächtigen Strome die welterschütternden, erhabenen Ideen des Judentums über alle Völker, alle Herzen und Gemüter sich ergießen zu lassen, in die weite, alle Welt umfassende Arena einzutreten, wo um die höchsten und heiligsten Ideen und Güter der Menschheit gerungen wird, das ist die Aufgabe des heutigen Judentums, die leider zu seinem Schaden so lange vernachläßigte Aufgabe. Das Judentum muß immer weltfähiger, allgemein menschlicher, humaner gemacht werden, immer mehr sich dem großen prophetischen Ziele einer Weltreligion, eines Bruderglaubens der Menschheit nähern, das, nur das ist das Streben unseres Jahrhunderts, ist wert am Ende des 19. Jahrhunderts als weitragendes Kampfbanner unserer Generation vorangetragen zu werde». Erwecken und nähren ivir nur immer mehr das kosmopolitische Element im Judentum, fühlen wir uns immer mehr als Glieder der großen Menschheitskette, als Brüder, als Menschen, — und das Judentum hat seine Aufgabe gelöst. Möge jeder von uns, auch der Schwache, der Kleine, der Geringe dazu beitragen, und >vir sind des Endsieges gewiß, wir vermögen unser Banner auf den Höhen der feindlichen Verschanznngen anfznrichten, wir haben unsern Beruf in Wahrheit erfüllt. Möge es Viele unter uns geben, welche wie Jonathan sprechen: „Es ist dem Herrn gleich, durch Viele oder durch Wenige zu helfen! Mit welchem nachahmnngswerten Beispiele geht man in England und Amerika uns mit der Einrichtung und reichlichen Unterstützung von sogenannten „Tracts Societics“ „Gesellschaften zur Verbreitung von religiösen Erbauungsschriften" voran! Wahrlich, hier wird der Ausspruch des Propheten: „Jeder Durstige trinke Wasser ans dem Borne des Heiles" mit größerer Bereitwilligkeit und mit größerem Eifer gehört und befolgt, als bei dem Religionsvolke pur excellence, den Juden, den Abkömmlingen der großen Propheten und Religionsmartyrer. Wo finden wir bei uns, unter den so vielgenannten sonst hochherzigen Glaubensgenossen solche, die ein derartiges Unternehmen auf dem Boden des Judentums in größerer Weise unterstützen würden? Israel steht in dieser Hinsicht wirklich verwaist da. Für Zwecke, die diese Ideen hemmen und solchen Bestrebungen entgegenarbeiten sind Mittel im Ueberflnße vorhanden, aber für eine vernunftgemäße Gestaltung der erhabenen Ideen des Judentums, für ihre immer größere Verbreitung, für Mittel, sie tief und weit in's Volk eindringen zu' lassen und dadurch dem Siege und der Anerkennung des Judentums den Weg zu ebnen, dafür findet man weder Geld noch Stütze. Berühren wir diesen wunden Punkt des Judentums nicht länger! Das Herz wird krank bei dieser traurigen Betrachtung, die so tief mit der Erwägung über die Ursachen des Antisemitismus verknüpft ist! Wollen wir ernsthaft diese Mißgeburt des Zeitgeistes bekämpfen, so würde nur auf dem von uns angegebeneil Gebiete eine größere Thätigkeit, ein mildspendendes Herz, Aufopferung, uneigennützige Hingabe, dazu führen! Die „Populär-wissenschaftlichen Monatsblätter" haben es sich zum Ziele gestellt, die religiösen Ideen, Ziele und Zwecke des Judentnms in populärer Weise darznstellen, und sie zum Gemeingute der ganzen Menschheit zu machen. Sie begegnen sich daher in diesem Streben mit demjenigen der englischen Gesellschaften. Auch sie wollen auf die Masse, auf die weitesten Schichten des Volkes wirken.

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