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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-01-01 · Heft 1 (1.1.1891) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 1 (1.1.1891)
Date
1891-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Vater an Gnadenfiille übertreffen, sie formte ferner den Optimismus der Mutterreligion (ki tmv! gam su letowa!) in einen Pessimismus in Weltflncht („Mein Reich ist nicht von dieser Welt", Klöster, Einsiedler), in Erbsünde u. s. w. um. Darum muß man wohl die dogmatische, die theoretische Gestaltung des Christentums als einen Gegensatz zum Judentum bezeichnen, nicht aber seinen praktischen sittlichen Gehalt;'der ist dem Judentume entsprossen und bis zur Gleichmäßigkeit eng verschwistert. Ebensowenig ist christlich und deutsch identisch. Es ist ja grade der wesentlichste Vorzug des Christentums, daß es über die Grenzen eines Staates hinausragt, die verschiedensten Völker zu gemeinsamer Kultur umfaßt. Freilich ist das Christentum verschieden, nicht blos nach den bekannten Konfessionen, sondern auch innerhalb derselben nach Geist und Herzen ihrer Bekenner. Auch das protestantische Christentum lutherischer Konfession, obwohl auf deutschem Boden geschichtlich entstanden, aber keineswegs nur von Deutschen, und noch viel weniger von der Mehrzahl deutscher Christen bekannt, bietet keine Handhabe für die Jdentificirung von Christentum und Deutschtum. Es gab Deutsche vor Entstehung und vor Annahme des Christentums; unsere heutige deutsche Kultur beruht weit mehr auf der altklassisch heidnischen, ans der altjüdischen, auf den Ergebnissen neuerer Forschungen und Erfahrungen, als ans einem specifischem Christentum. An ihr haben heutzutage Juden und Christen gleichmäßig und gemeinsam Teil, als Genießende wie — soweit Juden nicht gewaltsam von Lehrstühlen u. s. w. zurückgehalten werden — als Schaffende. Und darum ist es eine bewußte Unwahrheit, wenn man deutsch und jüdisch als Gegensätze auffaßt. Jnsotveit deutsch ein Volkstum, jüdisch eine Religion bezeichnet, sind sie gar nicht mit einander zu vergleichen und zu messen. Insoweit .üan aber im Juden noch eine Volks- oder Stammessonderheit erblicken kann, besteht auch kein Gegensatz zum Deutschtum. Vielmehr könnte man mit weit größerem Rechte sagen: von allen modernen Kulturvölkern hat der deutsche die größte Aehnlichkeit mit dem jüdischen Stamm: in der Innigkeit des Familienlebens, in der Hochhaltung der Ehefrau (esdies cluijil — Würde der Frauen) und Mutter, in der Wertlegung auf das Geistige, in der Begeisterung für Dichtung, Schaubühne, Tonkunst, in der Liebe zur Philosophie. Und wie es psychologisch oft betont wird, daß nicht die gleichartigen, sondern die ungleichartigen Paare die besten Ehen geben, so mag in jener seelischen und geistigen Anlagengleichheit wohl ein Grund für die Wiederkehr jenes Atavismus, dafür gefunden werden, daß von allen Kulturvölkern das deutsche leider zuletzt und am schwersten den Juden gerecht wird. Vielleicht gilt es auch die Ueberwindung von Gegensätzen. Dem deutschen Charakter ist das, was man heutzutage schneidig nennt, das Wilde, Ritterliche, Kriegerische und die Lust au Trinkgelagen seu den Zeiten des Tacitus vielfach eigen. In so manchen modernen Studenten, ihren Mensuren und deren Anlässen, den Kommersen spiegelt sich das wieder. Auch hier liegt eine, vielleicht die verderblichste Quelle des atavistischen, mit moderner Konkurrenzfurcht vermischten Antisemitismus. Dem Juden war zwar von jeher Tapferkeit und Lebensfreude nichts Fremdes. Jenes beweisen die Makkabäerkämpfe, die Verteidigung Jerusalems, die heldenmütigen Martyrien, die standhafte Erduldung schwerster Qualen in zwei Jahrtausenden, die Teilnahme an den Kriegen in diesem Jahrhundert. Dieses, die Lebensfreudigkeit des Judentums, bewähren 1*

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