Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 286 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Freud und Leid durch Jahrhunderte führte und leitete. In den herrlichsten Tagen unserer Selbständigkeit, in den schrecklichsten des Exils, in der Vergangenheit und Gegenwart, immer und überall war das Licht das poetische Symbol der Thora. Was ist die Thora? sie ist das Buch der Bücher, die Verkörperung eines lebendigen Glaubens. Niemals waren die Israeliten Buchstabenanbeter; mit Verehrung aber auch mit kritischen Augen lesen sie ihre Schriften. Ohne nach den heiligen Quellen zu forschen, von welchen die Botschaft kam, hatten sie stets das lebhafteste Verlangen, sich immer wieder in ihren Sinn zu vertiefen. Nur dem Geiste der Thora, welche der Seele Israels eingepflanzt wurde und sie stärkte, kann die Erhaltung dieses Volkes zugeschrieben werden. Vergessen wir nicht, daß wir von einem Volke sprechen, das unzählige Male in Versuchung war, dem Angriffe der Schlacht und der Waffen ausgesetzt; von einem Volke das in der Vergangenheit allen Schicksalsschlägen kühn ins Angesicht gesehen und der Barbarei in ihrer schrecklichsten Form kühn getrotzt; das Hunderten von Völkern widerstand, deren jedes einzelne mächtiger war als es selbst; von einer Nation, die von den Egyptern, von anmaßenden Aßyrern, sternkundigen Chaldäern, bösen Spaniern und vom hochmütigen Nom geknechtet war; von einer Nation, die getreten wurden von den Horden der Setzten, 'von Goten, Hunnen und Vandalen; von einer Nation, die von Kreuzfahrern decimirt, von der Jnquisiion verfolgt, an Pfosten und Pfeiler geschlagen wurde; die der Sündenbock war aller Zeiten und Generationen, tragend seine eigene Last und die aller Nationen! Wozu lebt es?" „Fraget die Thora! Fraget das Buch mit dem unverwüstlichen Geist. Hoch hielt Israel das Banner Adonai's und in seinen Falten waren Friede, Leben und Glück. Israels Thora verlieh jenen starren Mut, zu leiden, auszuharren und geduldig seine Last zu tragen, bis zu jener Zeit, da das Licht der Aufklärung erglänzen wird auf der ganzen Erde." — Die Dampf-Uacht „Israel", welche von Herr Baron Hirsch zur Ausführung seiner Colonisationspläne angekauft wurde, legte am 7. September auf der Fahrt nach Alexandrien im Hafen zu Algier an. Der Capitän, Mr. Sbutega, wurde vom österr. ung. Generalkonsul Grafen Wimpffen zu Tisch geladen, bei welchem Anlasse Graf Wimpffen folgenden Toast sprach: „Während wir hier in brüderlicher Eintracht bei gemütlichem Male vereint sind, werden wir an den Ernst des Lebens erinnert durch die Anwesenheit des Capitäns eines Schiffes, welches die östliche Flagge durch seinen Dienst im Interesse der Humanität zu Ehren bringt. Dieses Schiff wurde vou Herr Baron Hirsch bestimmt znr Durchführung seines großen Werkes, die verfolgten Mitglieder der jüdischen Glaubensgemeindschaft zu schirmen und zu unterstützen. Ich trinke auf das Wohl des edelmütigen Philantropen Baron Hirsch." — Eine dem „Herold" aus Valparaiso zugegangene Depesche meldet, daß die Argentinische Regierung >000 in der Provinz Chaco gelegene Quadratmeilen Land zum Preise von 1000 Pesos Gold per Meile an Herr Baron Hirsch verkauft hat. — In Ueu-Seland hat das Haus der Repräsentanten einstimmig den Antrag Sir Georg Greys angenommen, nach welchem eine Petition an den Zaren um Aufhebung der Rechtsungleichheit abgesandt werden sollte. Die von dem Antragsteller Unterzeichnete Petition wurde direkt an den Zaren abgeschickt. — In Ghina hat vor kurzer Zeit eine Cbristenverfolgung stattgefunden. Die Gründe sind dieselben, wie bei den Judenhetzen in Europa, Lüge, und Verleumdung. Sie werden nämlich beschuldigt, Körperteile von Kindern zu medizinischen Zwecken zu benutzen. — In Shangai (China) besteht eine ziemlich bedeutende jüdische Gemeinde. Dieselbe hat vor einigen Jahren eine Synagoge erbaut, welche durch ihre Schönheit eine