Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 278 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Uebersetzungen enthalten sind. Der leer gelassene Raum deutet auf eine Lücke, die sich mit Hilfe der alten Versionen ergänzen läßt. Der Text deutet also selbst seine eigene Fehlerhaftigkeit an. Wenn nun der Original-Text selbst durch Zeichen zweifelhafte Lesarten, Lücken und Versetzungen seine eigene Fehlerhaftigkeit verrät — oder konkreter gesprochen — wenn ein Kopist beim Abschreiben nach einem ihm vorliegendem Exemplar zugleich Kunde von einem anderen Exeniplar hatte, in welchem die betreffenden Wörter gefehlt haben, die Lücken ausgefüllt, und die Verse in einen anderen Zusammenhang gebracht waren, er zwar keine Änderung vornehmen, aber sie doch nicht unbeachtet lassen wollte, so ist eben dadurch die Antenticität des Textes, d. h. unseres Textes erschüttert. Mit einem Worte, wenn die Masora selbst — oder sagen wir die Masoreten — an so vielen Stellen die Lesart korrigiert, so ist das Vertrauen ans die Fehlerlosigkeit unseres Textes, in welchem die Korrekturen innerhalb oder außerhalb notiert sind, noch mehr erschüttert Die Masora selbst hat demnach die Bloßen des sogenannten masoretischen Textes anfgedeckt. Man darf sich also überhaupt nicht auf sie berufen, um Textesänderungen abznweisen. Von Nutzen war lediglich die Masora seit ihrer Fixierung, indem sie den damals vorhandenen Text vor weiterer Schädigung und Verderbnis geschützt hat. Aber ihre Bürgschaft hat für die Vergangenheit keine» Wert, da ihr selbst nicht die ursprüngliche Gestalt des Textes Vorgelegen hat, sondern dieser bereits mehrfach so verdorben war, daß sie ihn zu korrigieren für notig gefunden hat. Von Nachteil war sie aber, indem sie zu dem Glauben verleitet hat, daß der größte Teil des Textes, wo sie keine Korrekturen angebracht hat, autentisch sei. Vermöge ihrer bald erlangten Autorität scheute man sich, auch nur eine Kleinigkeit an dem von ihr verbürgten Texte zu ändern. Er galt seitdem als ein noli me tangere. Nur ein einziger in alter Zeit hat es gewagt, sich von dieser Autorität frei zu machen. Der für Sprache und Styl fein fühlende Grammatiker des 11. Jahrhunderts in Spanien, Jona Jbn G'anach, hatte die Kühnheit, an etwa zweihundert Stellen in der Bibel eine bessere Lesart aufzustellen. Er hatte aber eine geraume Zeit keine Nachfolger. Erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, als der Sinn für besseres Verständnis der heiligen Schrift erwachte, tvurden Zweifel an der Antenticität des masoretischen Textes laut, und es wurde mit kritischem Takte versucht, die unangemessene Ausdrucksweise in der Bibel zu berichtigen. Im laufenden Jahrhundert wurde die kritische Operation mit glücklichem Erfolge von Gesenius Hitzig, Ewald und jüdischerseits von Samuel David Luzzatto, Osias Schorr, Abraham Krochmal und anderen fortgesetzt Seitdem ist das Augenmerk der Bibelforscher darauf gerichtet, vermöge kritischer Hilfsmittel de» Bibeltext zu verbessern und die heilige Schrift eine ihrer würdige Sprache reden zu lasse». Obwohl in den letzteren zwei Jahrzehnten deutsche, französische, englische und holländische Forscher durch Berichtigung des Textes viel Dunkles ansgehellt haben, so ist diele Operation noch lange nicht dem Abschluß nahe. Sehr viel Rätselhaftes, besonders in den poetischen und didaktischen Büchern der Bibel harrt noch der Lösung. Um diese zu ermöglichen, schien es dem Verfasser, welcher sich ein halbes Jahrhundert damit befaßt, und dem die heilige Schrift das Leben seines Lebens - ist, an der Zeit zu sein, die Resultate der Textesemendationen übersichtlich in einer neuen Ausgabe des alten Testaments zusaminenzustelleu. Denn diese sind in verschiedenen Kommentarien der Bibel, in Zeitschriften und auch gelegentlich