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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-12-01 · Heft 12 (1.12.1891) · p. Seite 277

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 12 (1.12.1891)
Date
1891-12-01
Page
Seite 277 (sequence 13)
Language
German
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277 und lateinische, welche sorgfältig durchforscht und zum Vergleich herallgezogen werden — öfter ganz andere Lesarten als das Original durchscheinen lassen. Es gilt jetzt als unanfechtbares Axiom, daß da, wo der Originaltext Unverständliches, Barokes oder Widersinniges enthält, es eine vom Kopisten verschuldete Verderbnis sein muß. Dagegen ist zlvar geltend gemacht lvorden und lvird heute noch von mancher Seite geltend gemacht, daß es ein Schutzmittel gegen Textschädigung gab, die Masora, welche minutiös die Ortographie und Heterographie fast jedes Wortes in der Bibel angemerkt hat, nach welcher die Kopisten sich gerichtet hätten und kontrolliert hätten werden können. Allein die Masora mit ihren Vorschriften für die Schreibweise kam um tausend Jahre z» spät. Anfänglich während mehrerer Jahrhunderte innerhalb der Kopistenznnft mündlich überliefert, wurde sie frühestens im achten nachchristlichen Jahrhunderte schriftlich fixiert. Aber da war der Schaden schon geschehen. Ein Mnsterexemplar für Abschreiber gab es ehemals lediglich für den Pentateuch, aber nicht für die übrigen biblischen Bücher. Auch dieses Mnsterexemplar, wahrscheinlich erst in der Makkabäerzeit angelegt, ist in der Katastrophe der Zerstörung Jerusalems, oder als Beutestück nach Rom gebracht, völlig untergegangcn. Die Masora giebt daher keine Sicherheit für die Autentizität des erhaltenen Textes, sie hat nur dazu beigetragen, den geschädigten Text zu kanonisieren und zu verewigen Die Masora selbst weist' übrigens darauf hin, daß sie selbst den Text stellenweis für verderbt angesehen hat; denn bei mehr denn 1300 Wörtern merkt sie an, daß sie abweichend vom geschriebenen Text gelesen werden sollen (Khetib- Keri) wovon die wenigsten nur des Enpheniismus wegen geändert sind. Im Grunde will doch damit die Masora sagen, daß die betreffenden Wörter unrichtig geschrieben, also vom Kopisten versehen seien. An anderen Stellen merkt sie an: ein Wort soll gelesen werden, obgleich es im Texte fehlt (Keri welo Khethib) oder ein Wort soll nicht gelesen werden, obwohl es im Texte geschrieben ist (Khethib welo Keri). Eine solche Anmerkung giebt doch deutlich zu verstehen, daß im ersten Falle Wörter im Texte ausgelassen wurde» und in dem anderen Falle, daß sie überflüssig geschrieben sind (meistens bei Dittographien). Zudem haben noch einige Masoreten ein -nicht ganz vollständiges Verzeichnis über Abweichungen der morgenländischen Codices von abendländischen (Madinchai — Ma'arbai; die letzteren liegen unseren Ausgaben zu Grunde). Außerdem haben Masoreten bei einer Reihe von Wörtern die Notiz angebracht, daß andere Codices eine andere Lesart angeben (Sebirin). Varianten setzen nun einmal falsches Kopieren voraus. Mch mehr, der Text selbst deutet an einigen Stellen durch Zeichen seine eigene Fehlerhaftigkeit oder mindestens seine zweifelhafte Autenticität an. Einige Verse im Pentateuch und in einem Psalm sind nämlich durch Klammern eingeschlossen, und dieses Zeichen bedeutet (nach einer alten Erklärung), daß die betreffenden Verse nicht an richtiger Stelle stehen, sondern anders wohin gehören, das heißt: sie sind durch Unachtsamkeit des Abschreibers disloziert worden. Ferner ist eine Reihe von Wörtern oder Buchstaben oberhalb mit Punkten versehen, und diese Punkte deuten — nach überlieferter Erklärung — zweifelhafte Richtigkeit des Wortes oder des Buchstabens an. Endlich ist bei zweiundzwanzig Versen inmitten ein leerer Raum gelassen. Solche Spatien geben meistens die Andeutung, daß die betreffende» Verse in der Mitte durchbrochen . sind (Pasek be —- Emza Pasnk) Bei genauer Betrachtung zeigt es sich, daß in den ineisten dieser Verse ein oder mehrere Wörter fehlen, weil sie iy einer der

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