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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-12-01 · Heft 12 (1.12.1891) · p. Seite 273

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 12 (1.12.1891)
Date
1891-12-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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273 Wagnis wird es immer bleiben —, wir verpflichtet sind, ans die Hauptsache in der zu beurteilenden Religion, auf dasjenige zurückzugehen, was von ihren Bekennen: selbst als die Hauptsache hingestellt wird. So mannigfaltig nämlich das Judentum sich im Laufe der Jahrtausende in den verschiedenen Länder» auch gestaltet hat, so haben doch die Bekenner desselben darin stets mit einander übereingcstimmt, daß sie in allen Gegenden der Erde, durch alle Jahrhunderte hin zusammengehalten worden sind und znsammengehalten sein wollten durch den Gottesgedanke», welcher ausgesprochen ist in dem Wort: Monotheismus, durch den Glauben an den einigen Gott. Es ist auch bekannt, daß die Anhänger des Jndentums den Christen daraus eine» Vorwurf machen, daß sie nach ihrer Meinung in dem Glauben an den dreieinigen Gott zur Vielgötterei Hinneigen. Wie steht cs also, müßte nian vor Allem fragen, mit diesem Grundgedanken der Religion des Judentums? Wie verhält sich ihre Vorstellung von einem Gotte zu der Vorstellung der christlichen Kirche von dem göttlichen Wese», wie dieselbe noch bei jeder Tanfhandlung bekannt werden muß. Es ist sehr befremdlich, daß das Blatt, mit dessen Entscheidung in dieser Frage wir uns beschäftigen wollen, darauf mit keinem Worte eingegangen ist. Das Ergebnis dieser Vorbemerkung ist demnach, daß, je zuversichtlicher ein Gesammtnrteil über eine geschichtliche Religion gefällt wird, wir es im Allgemeinen als um so weniger zuverlässig anzusehen haben. Die Protestantische Kirchenzeitung erhebt gegen die Religion des Judenthnms, zwei Vorwürfe. Der erste lautet: das Judentum ist eine Gesetzesreligion. — Eine Gesetzesreligion ist eine solche, welche auf die sinnlich wahrnehmbare Uebereinstimmung der Handlungen des Menschen mit den Gesetzen, die für dieselben gegeben sind, einen besonders hohen Wert legt und dabei die Absichten, die Motive, die Bewegungsgründe, welche den Handlungen zu Grunde liegen entweder gänzlich vergißt oder mit einer gewissen Gleichgiltigkeit behandelt. Man pflegt dies auch wohl als Legalität oder auch, namentlich von Seiten der Protestanten in Bezug auf die katholiche Kirche, als Werkgerechtigkeit zu bezeichnen. Wie verhält es sich mit dieser Anklage? stimmt sie mit den nns bekannten Thatsachen der Geschichte überein? Hat die Religion des Judentums wirklich keine Rücksicht genonimen auf die Absichten und Motive, welche den Handlungen der Menschen zu Grunde liegen, oder hat sie denselben die ihnen gebührende Achtung versagt? Es handelt sich hier nicht um den Inhalt der Gesetze, sonder» nur um das Ansehen derselben, welches sich in der Verpflichtung, sie zu beobachten, ausspricht. Erinnern wir nns, um jenen Vorwurf zu prüfen, an eine Stelle der evangelischen Ueberliefernng (Marc 12, 28—34,) in welcher berichtet wird, daß ein Schriftgelehrter zu Jesus tritt und die Frage an ihn richtet, welches das vornehmste Gebot sei? Jesus antwortete ihm: „Das vornehmste Gebot unter allen Geboten ist: höre Israel! der Herr dein Gott, ist ein einiger Gott. Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und niit Deiner ganzen Kraft. Das ist das vornehmste Gebot, und das zweite, ihm gleiche, ist dieses: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Größer als diese ist kein anderes Gebot." Worauf der Schriftgelehrte erwidert: „Schön, Lehrer, du hast nach der Wahrheit geantwortet, denn Gott 'ist Einer und kein Anderer außer ihm, und ihn über Alles lieben und seinen Nächsten als sich selbst, das ist mehr wert als Brandopfer und alle Opfer." Die Opfer waren aber damals die wichtigsten und bedeutungsvollsten Handlungen, welche es für den rechtgläubigen Israeliten gab. Nun, meine Freunde, von'wem stammen ■

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