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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-12-01 · Heft 12 (1.12.1891) · p. Seite 270

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 12 (1.12.1891)
Date
1891-12-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 wörtlich R. Wagner im August 1846 iu Marienbad Aber gleich auf dieses unbefangene Geständnis folgte eine Flut von Schmähungen gegen Meyerbeers Musis, die nur eine „wiederwärtige Fratze" sei. Meyerbeer, dem meine jugendliche Neugier damals gern ein Wort über Wagner entlockt hätte, sagte nichts weiter als: „Seine Opern gefallen sehr" und tvendete sofort das Gespräch. . . . Wagner war nicht immer so schlecht zu sprechen auf Meyerbeers Opern. Es existirt ein durchaus von Wagners Hand geschriebener Aufsatz, von fünf Folioseiten, über Meyerbeer, der Alles übertrifst, was der entzückteste fianzösische Kritiker je zum Preise dieses Komponisten schreiben konnte. Dieser ganz druckfertige Aufsatz, wahrscheinlich aus dem Jahre 1842, war offenbar für eine Musikzeitung bestimmt. Warum er trotzdem nicht zur Veröffentlichung gelangte ist unbekannt; schade ist's jedenfalls. . . . „ „Betrachten wir die Erscheinung Meyerbeers," so schreibt Wagner u. §(., „so werden wir sowohl ihrer Tendenz, als auch zumal ihren äußeren Zügen nach unwillkürlich an Händel und Gluck erinnert, und selbst ein wesentlicher Teil in der Richtung und Bildung Mozarts scheint sich hier wiederholt zu haben. Vor allen Dingen ist nie ans dem Auge zu verlieren, daß jene deutsche waren, wie dieser es ist. .. . Meyerbeer war so deutsch, daß er bald in die Fußtapfen seiner alten deutschen Vorfahren gerieth; diese zogen mit der vollen Kraft des Willens über die Alpen und eroberten sich das schone Italien, Meyerbeer ging nach Italien. Er machte selbst die üppigen Söhne des Süoens in seinen Tönen schwelgen, und dies war sein erster Sieg. Muß es nicht mit Stolz erfüllen, sich nicht nur das fremde Schöne eigen mache» zu können, sondern selbst die, denen mir es entnehmen, sich der Veredlung desselben erfreuen lassen zu können? Aber selbst damit sehen wir den deutschen Genius sich nicht begnügen, an diesem Siege wollte er ja erst lernen. Die verschwimmenden, unbestimmten Nebel des Spiritualismus haben sich zu Formen schönen, warmen Fleisches gestaltet; das reine, deutsche keusche Blut fließt aber in seinen Adern; die Gestalt des Mannes ist fertig und tadellos, — nun kann er schaffen und Thaten für die Ewigkeit verrichten. ... Es tvar nun Meyerbeer, der diese Manier erweiterte, ja, der sie dann zu einer allgemein gültigen classischen Schreibart erhob Vor gewissen gebräuchlichen und populären Rhythmen und Melismen hat er die moderne Schreibart zu einem grandios einfachen Stil geführt, der den unendlichen Vorzug besitzt, daß er seine Basis in den Herzen und Ohren des Volkes hat — und nicht blos als eine raffinirte Erfindung eines neuerungssüchtigen Volkes wage und ohne Grund und Boden in der Luft herumschwimmt. Meyerbeer schrieb Weltgeschichte, Geschichte der Herzen und Enipfindungen, er zerschlug die Schranken der Nationalvorurteile, vernichtete die beengenden Grenzen der Sprach-Idiome, er schrieb Thaten der Musik, Musik wie sie vor ihm, Händel, Gluck und Mozart schrieben, und diese waren Deutsche und Meyerbeer ist ein Deutscher. ... Erhat sein deutsches Erbteil bewahrt, die Naivität der Empfindung, die Keuschheit der Empfindung. Diese jungfräulich verschämten Züge tiefen Gemüts sind die Poesie, das Genie Meyerbeers; er hat ein unbeflecktes Gewissen, ein liebenswürdiges Bewußtsein bewahrt, das neben den Produktionen oft selbst rafsinirter Erfindungen in keusche» Strahlen erglüht und sich bescheiden als der tiefe Brunnen erkennen läßt, aus dem alle jene imposanten Wogen des königlichen Meeres geschöpft worden." In diesem Tone geht es in mehr als 300 langen Zeile» fort. Man traut seinen Augen nicht und fragt sich bestürzt: „Wie ist es möglich, daß Wagner,

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