Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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269 keine einzige Äußerung, welche von seinem Unmut über hie Undankbarkeit mancher Genies zeugen würde. Es ist bekannt, daß der leidenschaftliche Dichterkomponist in „Oper und Drama" i» „das Jndentni» i» der Musik" und anderen Werken seine» frühere» Wohlthäter den „allererbärmlichsten Musikmacher" rc. zu nennen Pflegte und dabei Gelegenheit nahm, über Jude» und Judentum in unqualifiziebarer Weise sich zu äußern. In den Briefen Wagners au vertraute Freunde sucht er den Meyerbeerhaß zu begründen, wie niir's aber scheinen will, mit wenig Glück. Man urteile selbst: Im April 1851 schreibt der in der Schweiz als Flüchtling weilende Zukunftsninsiker an seinen Intimus Liszt: „Ich hasse ihn (Meyerbeer) nicht, aber er ist mir grenzenlos zuwider; er erinnert mich, da er sich den Anschein gab, mich zu portegiere», an die unklarste, fast möchte ich sagen, lasterhafteste Periode meines Lebens; das war die Periode der Konnexionen und Hintertreppen, in der wir von den Protektoren zum Narren gehalten werden, denen wir innerlich durchaus unzngethan sind. Das ist ein Verhältnis der vollkommensten Unehrlichkeit; keiner nimnit es aufrichtig mit dem andern; der eine wie der andere giebt sich den Anschein der Zngethanheit und benutzen sich nun so lange, als es ihnen Vorteil bringt. Die Erfahrung, daß Meyerbeer es mit mir unehrlich meine, konnte mich nicht überraschen und mir kein Recht geben, da ich mir im Grunde selbst vorzuwerfen hatte, mich absichtlich über ihn getäuscht zu haben. Aber aus inneren Gründen trat bei mir die Notwendigkeit ein, jede Rücksicht gewöhnlicher Klugheit in Bezug auf ihn fahren zu lassen. Ich kann als Künstler vor mir und meine» Freunden nicht existiere», nicht denken und fühlen, ohne meinen vollkommene» Gegensatz zu Meyerbeer zu empfinden und laut zu bekennen. Es ist dies ein notwendiger Akt der vollen Geburt meines gereiften Wesens und — so Gott will — gedenke ich manchem zu dienen, daß ich diesen Akt mit solchem Eifer vollziehe." Wir haben aus den obigen urkundlichen Beweisen ersehe», daß Meyerbeer als Gentleman gehandelt und ohne jeglichen Hintergedanken seinen Kollegen zu fördern gesucht hat — der Beweis, daß Wagner von ihm getäuscht wurde und daß dieser „unehrlich" gehandelt habe, muß erst gebracht tverden. Wir meinen, daß selbst der große Gegensatz zwischen der Richtung der beiden Meister jene scharfen und bitteren Ausfälle des „Schülers und Dieners" keineswegs entschuldigen kann. Meyerbeer hatte gewiß seine zahlreichen Fehler und Wagner tvurde mit dem Schicksal hart mitgenommen, seine Maßlosigkeit ist also wohl erklärlich, aber Takt zeigte nur der Komponist der „Hugenotten" der keine Nation und keine Confession haßte und nie ein böses Wort gegen Wagner, zum allerwenigsten in dessen Weise, fallen ließ und unbeirrt seine Künstlerlanfbahn zog. Vergessen wir aber nicht, daß Wagner eine subjektiv entwickelte und deshalb das ihr nicht Geniäße leidenschaftlich hassende Natur war. Wenn der Reformator des musikalischen Dramas, Wagner, von der Wut des die historische Oper zerschmetternden Eiferers erfaßt wurde, nahm er keine Rücksichten, sondern verübte — Rücksichtslosichkeiten. Aus Anlaß des am 5. September d. I. überall pietütsvoll begangenen 100 Geburtstages Meyerbeers hat Eduard Hanslick, über die Beziehungen Wagners zu Meyerbeer einige höchst interessante und bezugnehmende Daten veröffentlicht, welche meine eigenen Mitteilungen in bedeutsamer Weise zu ergänzen vermögen. Der berühmte Musikästhetiker und Kritiker berichtet nun u. A. „Ohne Meyerbeer hätte ich in Paris mit meiner Frau verhungern können," sagte mir