Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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268 kann man dessen versichert sein, daß die Unterstützungen des Meisters nichts Verletzendes hatten. Die Dankbarkeit Wagners kannte keine Grenzen. In den aus jener Zeit stammenden Briefen an Meyerbeer nennt er diesen stets „innig verehrtester Herr" und unterzeichnet: „Ihr ewig getreuer;" er hofft ihn, „seinen verehrten Herrn und Meister, bald einmal begrüße» zu können," wonach er, wie nach einem wahren Labsal schmachtet. Eine dieser Zuschriften lautet bezeichnend genug: „Mein innig verehrter Herr und Meister. Sie, mein teurer Meister, der die Güte und das Wohlwollen selbst sind, mein verehrter Selbstherrscher aller Töne, ich hoffe in dieser Welt auf kein Heil als von Ihnen." Daß beide in regem Briefwechsel gestanden, ersieht man schon ans nachstehendem Briefe aus R. Wagners Tagebuch, welches nm jene Zeit geschrieben wurde und von dem vertrauten Verhältnis des Künstlerpaares ein beredtes Zeugnis ablegt: „Mein hochgeehrter Herr und Meister! Zwei Worte von Ihnen haben mich aufs neue glücklich gemacht und gründlich mit meinem Schicksal ansgesöhnt! Eben hatte der gottlose Chef der Gazette musicale Sie willkürlich nach Baden versetzt, wodurch ich verleitet worden war, Ihnen eine demütige Bitte zu adressieren, als er mir die Nachschrift Ihres letzthin an ihn gerichteten Briefes zeigte, daß Sie mir abermals zu meiner innigsten Rührung bezeugten, daß Sie nicht aufhörten, mit schützender Sorgfalt meiner eingedenk zu sein. Ach, wenn Sie wüßten, welche unermeßliche Wohlthat Sie mir dadurch angedeihen ließen, wenn Sie empfinden könnten, zu welch' überschwenglichem Dankgefühle Sie mich durch diesen so vielfach an den Tag gelegten und deshalb so hochehrendeil Beweis Jhrdr Teilnahme Hinreißen! Ich lverde in alle Ewigkeit nichts anderes gegen Sie aussprechen dürfen als Dank, Dank! Ihre beglückenden Zeilen haben in mir und »in mich eine ganze Revolution bewirkt. Ich armer Narr, der ich immer nur in die Zukunft hineinarbeite, in der Gegenwart aber nichts höre und sehe, ja, kaum darin existiere, saß nun in meinem Stübchen, bei meiner armen, von mir und von äußeren Sorgen gequälten Frau und sah auf die Früchte des letztverlebten, vielmehr durchmarterten Sommers. Diese Früchte, ei» dummes Textbuch und ein ziemlich Stück Partitilr, lagen vor mir und frugeu mich, was aus ihnen werden sollte? Mir fiel nichts Gescheiteres ein, als sie einznpacken, nach Berlin zu schicken und ihnen einen unterthäuigsten Brief an den Grafen Redern mitzngebe»: — Ich wußte, sie würden dort verfaulen, und doch fiel mir nichts Besseres ein. Da ging mir das Evangelium auf, denu von Ihrer gepriesenen Hand stand geschrieben: „Ich werde dasselbe bei dem Grafen Redern zu erlangen suchen." Gott mache jeden Tag Ihres schönen Lebens zur Freude und trübe Ihr Auge nie mit Kummer, dies das aufrichtige Gebet Ihres aufrichtigen Schülers und Dieners Richard Wagner." Wie für die Ausführung des „Rienzi," so mußte Wagner auch für diejenige des „Fliegenden Holländers" seinem Gönner zu lebhafte«! Danke verpflichtet sein. Er schickte die Partitur nach Leipzig ilnd München, erhielt sie aber zurück, da war es Meyerbeer, der die Annahme der Oper in Berlin bewirkte. Leider veränderte sich das Verhältnis zwischen beiden Tonschöpfern mit den Jahren, ohne daß jedoch Meyerbeer einen Grund zu den Angriffen gegeben hätte, welche Wagner in seinen Schriften und Briefen gegen ihn schleuderte, — im Gegenteil, er blieb sich immer gleich, und wir kennen keine einzige Thatsache,