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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1891-12-01 · Heft 12 (1.12.1891) · p. Seite 267

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 12 (1.12.1891)
Date
1891-12-01
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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267 G. Meyerbeer der Oper nicht mit großer Wärme angenommen hätte. Wagner erhielt Monate lang kein Lebenszeichen von Dresden, lind er hätte sicherlich noch viele Jahre warten mässen, wenn der Komponist der „Hugenotten" sich für ihn nicht verwendet hätte. Der bisher wenig bekannte Brief desselben, welcher seinen edlen Charakter am besten illustriert, lautete wörtlich: Baden, den 18 März 1841. „Ihre Exzellenz werden mir vergeben, wenn ich Sie mit diesen Zeilen belästige; ich erinnere mich aber Ihrer steten Güte für mich zu lebhaft, um einem jungen, interessanten Landsmann es abschlagen zu dürfen, wenn er, mit vielleicht zu schmeichelhaftein Vertrauen auf Einwirkung bei Ew. Exzellenz mich bittet, sein Anliegen mit diesen Zeilen zn unterstützen. Herr Richard Wagner aus Leipzig ist ein junger Komponist, der nicht allein eine tüchtige musikalische Bildung, sondern auch viel Phantasie hat und außerdem auch eine allgemeine litterarische Bildung besitzt, und dessen Lage wohl überhaupt die Teilnahme in seinem Vaterlande in jeder Beziehung verdient. Sein größter Wunsch ist, die Oper „Rienzi", deren Text und Musik er verfaßt hat, auf der neuen königlichen Bühne zu Dresden zur Aufführung zn bringen. Einzelne Stücke, die er mir daraus vorgespielt finde ich phantasiereich, von vieler dramatischer Wirkung. Möge der junge Künstler sich des Schutzes Ew. Exzellenz zu erfreuen haben und Gelegenheit finden, sein schönes Talent allgemeiner anerkannt zu sehen. Ich nehme nochmals die Nachsicht Ew. Exzellenz in Anspruch und bitte Sie, mir Ihr geneigtes Wohlwollen zu erhalten. Hochachtungsvoll Ew. Exzellenz ergebener Diener Meyerbeer." Meyerbeer war ein zu großer Faktor im musikalischen Leben, als daß man seinen dringenden Wunsch hätte mißachten dürfen, und so gewahren wir, daß die Generaldirektion schon am 21. Juni 1841 dem Komponisten des „Rienzi" die nachfolgende amtliche Mitteilung zugehen ließ, „nachdem nunmehr sowohl das Textbuch Ihrer anher gesandten Oper, als die Partitur derselben sorgfältig geprüft worden, ist es mir angenehm, Ihnen die Zusicherung der Annahme dieser Oper zu geben, und wird dieselbe sobald als thunlich, hoffentlich im Laufe des nächsten Winters, im königlichen Hoftheater zur Darstellung kommen." Durch diesen Bescheid gingen diekühnstenWünsche des damals achtundzwanzig jährigen Künstlers in Erfüllung, und der Weg war frei, der zu dem Oymp führen sollte. Inzwischen hatte der mittellose Kapellmeister in Paris eine harte Schule der Entbehrung dnrchgemacht, und seine Lage wäre eine durchaus unerträgliche geworden wenn er die durch Meyerbeer gewonnenen Verbindungen nicht auszunutzen gewußt hätte. Besonders vorteilhaft wurden für ihn die Beziehungen zu dem Freunde und Verleger seines Gönners, dem Musikalienverleger Schlesinger,— gleichfalls einem Juden, — der ihn veranlaßte, für seine musikalische Zeitschrift zu schreiben; so lieferte Wagner gegen anständiges Honorar ausführliche Artikel, u. a. „Ueber deutsche Musik", „Virtuosentum und freie Komposition" re. schrieb kleine Novellen, wie z. B- „Eine Pilgerfahrt zu Beethoven", „Das Ende eines deutschen Musikers in Paris" re. diese Arbeiten befreiten ihn wenigstens vor Nahrungssorgen. Meyerbeer begnügte sich nicht damit, für seinen aufstrebenden Kollegen in künstlerischer Beziehung zu sorgen, sondern förderte auch nach Kräften seine materielle Wohlfahrt; bei der vornehmen Art, womit er Hilfe angedeihen ließ 23*

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