Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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266 keinen Neid und förderte bereitwillig jedes wahre Talent. Und so kaw es, daß alle die Tonkünstler, welche durch seine Intervention znm Ziele kommen wollten, sich an ihn wandten. Nicht iinmer entsprach der Erfolg seinen Bemühungen, aber der beste Wille, nützlich zu sein, beseelte ihn stets. Sechsundzwanzig Jahre war Wagner alt, als er, müde der so unerquicklichen Kapellmeisterlaufbahn jener Zeit, de» Entschluß faßte, mit seiner jungen Frau, einer geborenen Minna Planer, nach Paris zu reisen und dort sein Glück zu versuchen. Dort lebte ja auch Giacomo Meyerbeer, dessen Meisterwerke „Robert", und „Hugenotten" alle Bühnen beherrschten und von ihm erhoffte er eine Wendung seines Schicksals. Mit den beiden vollendeten Akten des „Rienzi" in der Tasche machte er sich auf den Weg mit dem frischen Wagemut der Jugend. Zu jener Zeit hielt sich Meyerbeer in Boulogne snr mer auf und sofort entschloß sich der Komponist des „Rienzi", vier Wochen lang in diesem französischen Badeorte zu bleiben und mit dem berühmten Meister in nähere Berührung zu kommen. Bei der großen Herzensgüte und dem Edelsinn Meyerbeers hielt dies nicht schwer. Schon nach einiger Zeit standen beide auf bestem Fuße mit einander, und das Interesse des älteren Kollegen wuchs noch inehr, als er die beiden Akte des „Rienzi" kennen lernte. Er sagte ihm auf das freundlichste seine Unterstützung in Paris zu. Wie die Musik so sagte Meyerbeer auch das Textbuch der Oper zu, er soll später geäußert haben: „Es sei das beste Libretto, welches überhaupt existiere, und er wünsche nichts sehnlicher, als daß ihm sein Librettist Scribe ein solches vorlegen möchte." Mit Empfehlungen Meyerbeers reichlich versehen, traf Wagner im Herbst 1839 in Paris ein. Er sagt selbst in seiner Autobiographie, welche er später für die „Zeitung für die elegante Welt" schrieb: „Mit der ausgezeichnetsten Sorgsamkeit leitete dieser Meyerbeer für mich ein, was irgend meinen Zwecken dienlich sein konnte, und zeitig wäre ich bald zu einem erwünschten Ziele gekommen, hätte ich es nicht so unglücklich getroffen, daß gerade während der ganzen Zeit meines Pariser Aufenthalts Meyerbeer meistens und fast immer von Paris entfernt war." Doch wissen wir, daß Meyerbeer im Sommer 1840 in Paris anwesend war und seinen ganzen Einfluß für seinen Schützling aufbot. Durch ihn machte er u- A. Bekanntschaften mit Hall'vy, Berlivz, Habeneck und vor allem mit dem Direktor der großen Oper Leon Pillet. Dieser machte dem jungen Komponisten Hoffnung auf die Annahme einer zwei - oder dreiaktigen Oper, und Wagner bestimmte hierfür den „Fliegenden Holländer." Alles war bereits eingeleitet, als sein Mentor wieder von Paris abreiste und die Erfüllung der Wünsche des jüngeren Kollegen dem Schicksale überlassen mußte. Doch auch in der Ferne konnte der väterliche Freund helfen. Wagner arbeitete mit großem Eifer an der Vollendung seines „Rienzi" und trachtete ihn durch die Protektion Meyerbeers an einer deutsche Bühne zur Aufführung bringen zu lassen. Er hatte in erster Linie Dresden ins Auge gefaßt, weil dieses Theater überausgezeichnete Gesangskräfte wie Schröder - Devrient, Josef' Tichatschek rc. verfügte; auch rechnete er auf Bekanntschaften in jener Stadt aus früherer Zeit. Im November 1840 sandte er die vollstäitdige Partitur seiner Oper nach Dresden an den Intendanten Herrn von Lüttichau und richtete zugleich eine Supplik an den König von Sachsen, um feinem Gesuche noch mehr Nachdruck zu geben. Schwerlich wäre jedoch das Erstlingswerk des damals noch ganz unbekannten Komponisten seitens der Intendanz beachtet worden, wenn sich