Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1889)
- Date
- 1889-12-01
- Page
- Seite 287 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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287 Unglaube, der stetig weitere Kreise zieht und seine Anhänger aus allen Kreisen gewinne, wird durch die mangelnde Organisation einer Religionsgemeinde nur gefördert. Die Zersetzung des Judentums in Preußen ist eine traurige Thatsache und die Gleichgültigkeit, wie sie in maßgebenden jüdischen Kreisen herrscht, führt erwiesenermaßen der Religionslosigkeit und dem Unglauben immer neue Schaaren zu. Der Staat, der die Organisationslosigkeit bei den Juden bestehen läßt, fördert dadurch bei einem beträchtlichen Teil derselben den Unglauben, der Staat sollte zunächst geistliche und weltliche Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft zu einer Versammlung einberufen, deren Aufgabe darin bestehen soll, eine bestimmte Formulierung der Glaubens- und Sittenlehren des Judentums abzufassen, auf Grund deren dann eine einheitliche Verfassung gegeben wird, über deren Handhabung eine mit autoritativer Befugnis ausgerüstete jüdische Zentralbehörde zu wachen habe. Auch wird der Staat eine jüdisch-theologische Lehranstalt zu gründen haben, aus der die Rabbiner und Religionslehrer hervorgehen sollen. Was Herr Dr. Auerbach von Seite 456—458 über die Reformbestrebungen im Judentum und über die Geschichte derselben schreibt, ist oft falsch, bedarf gar sehr der Berichtigung und zeigt, daß Herr Dr. Auerbach die geistigen Bewegungen im Judentum nur oberflächlich gesehen und nicht in ihren tieferen Gründen erfaßt hat. Doch wir wollen mit dem Verfasser nicht rechten und vielmehr seinem Buche einflußreiche Leser wünschen, die den Kernpunkt desselben beachten und eine Organisation der jüdischen Verhältnisse anbahnen helfen. So lange aber nichts von außen geschieht, ist es unsere Pflicht von innen dafür zu wirken und den D.-J.-Gemeinde-Bund, welcher ähnliche Ziele anstrebt, aufs eifrigste zu stützen. — In Earl Meyer's Verlage in Rostock ist erschienen: „Kurzgefaßtes Lehrbuch der jüdischen Religion für Schule und taus von Dr. F. Feilchenfeld, Landes-Rabbiner von Mecklenburg-Schwerin. lir haben es hier nicht mit einem gewöhnlichen Buche dieser Art zu thun, wie solche deren in den letzten Jahrzehnten durch das Bedürfnis viele hervorgerufen wurden, sondern mit einer tiefdurchdachten und schön ausgeführten Arbeit, die die Aufmerksamkeit der Schulmänner auf sich zu lenken geeignet ist und die in oberen Klassen höherer Lehranstalten als Lehrbuch in der Hand eines geschickten Lehrers mit Erfolg gebraucht werden kann. Selbständige gedankliche Durchdringung des jüdischen Lehrinhaltes, tiefe Begeisterung für das Judentum und ein wohlthuendes Streben, das Judentum im Geiste der Zeit und Wissen- . schaft zu lehren, sind Vorzüge dieses Buches, das wir hiermit aufs angelegentlichste empfehlen. — „Die Judenhetze" von Karl Schmidt, 2. Auflage, Wiesbaden. Verlag von Ehr. Limbarth, 1889. Der Verfasser hält es an der Zeit, die Judenhetze, ihr Entstehen, ihr Wachsen und ihre notwendigen Folgen noch einmal in ruhiger Weise kurz zu besprechen und kommt zu dem Resultate, daß der Jude stets zum Sündenbock gemacht worden war, sobald den Christen ein Unheil getroffen hatte und daß es ein unverständiges Nachplappern sei, da sich im Betrieb des Wuchers Juden und Christen teilen, für wenige einzelne Individuen ganze Volksmassen verantwortlich zu machen. Die wissenschaftliche Tüchtigkeit, die Nüchternheit, die Familienpietät der Juden sollten wir uns zum Vorbild nehmen, meint der christliche Verfasser. Auch in Bezug auf das Zeitungswesen sei es unwahr, daß dasselbe fast ganz in den Händen der Juden wäre, da höchstens ein Achtel sämtlicher Zeitungen Deutschlands möglicherweise mit jüdischem Gelde und in jüdischem Interesse arbeiten könnten. Hinter den haltlosen Angriffen verberge sich ein wohlausgedachter Plan, Parlament und Presse