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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 286

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 286 (sequence 22)
Language
German
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286 dringen. Wer solche Dinge gegen Sie vorzubringen vermag, wie daß Sie Ihres „Judenzeitungsruhms" wegen „die Juden nicht stark angreifen und daß sie vom jüdischen Schachergeiste angekränkelt, tief gesunken sind", der kann Ihre Ehre nicht rauben, folglich auch nicht zurückgeben". Er hat damit der Sippe die Satisfaktionsfähigkeit abgesprochen. Ferner: Als ich im „Heimgarten" mein Bekenntnis über den Antisemitismus ablebte, welches den Antisemiten zu judenfreundlich und den Juden zu antisemitisch vorkam, sagte Hainerling: „Hier verstehe ich Sie das erstemal nicht. Sie sprechen da von einer natürlichen Abneigung gegen semitisches Blut! Lassen Sie sich von dieser Modethorheit des Antisemitismus nicht anstecken! Oder glauben Sie wirklich, daß der Jude so viel schlechter ist, als der Christ? Ich habe mit manchen Juden sehr gute und mit nianchen Christen sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ging es Ihnen mit den Letzteren besser, so ist nur zu gratulieren"'. Ich Pflegte die wichtigeren Aussprüche, die er mir gethan, nachher in mein Tagebüchlein einzutragen, obige Benierkung finde ich unter dem 1. November 1885". Im Folgenden berührt Rosegger die bekannte antisemitische Adresse an Hamerling anläßlich des „Homunculus", sowie das Antwortschreiben Hamerling's, welches zu veröffentlichen sich die Antisemiten wohl hüteten. In Bezug auf das letztere äußerte sich Hamerling am 3. Oktober 1888 zu Rosegger, es schiene ihm, daß die Antisemiten von den bedeutendsten deutschen Dichtern doch wenigstens Einen auf ihre Parteifahne hängen möchten, und er sehe daher wohl, daß er mit diesen Leuten deutlicher sprechen müsse. Und er sprach deutlich am 9. April, nach einem antiseniitischen Schimpfbrief gegen seinen Verleger: „Man ist wahrlich manchmal versucht, sie für von einer Zeitkrankheit erfaßte Tollhäusler zu halten." Rosegger schließt seinen Artikel mit den Worten: „Hamerling war nicht deutschnational in ihrem Sinne und nicht Antisemit nach ihrem Herzen. Er verabscheute ihr Treiben und nannte es undeutsch. Wer mehr Beispiele dafür wünscht, dem kann gelegentlich damit gedient werden". Kefemte und Wttteitmrgen. Im Verlage von Sigmar Mehring in Kerlin ist erschienen: „Das Judentum und seine Bekenner in Preußen und in den anderen deutschen Bundesstaaten von vr. Leopold Auerbach". Das Buch stellt sich die Aufgabe, eine einheitliche Organisation der Juden in Preußen von Seite der Regierung anzuregen, da nur davon eine tatsächliche Gleichberechtigung der Juden mit den Christen zu erwarten ist. Bis jetzt hat Preußen allein nebeneinander elf verschiedene Religionsverfassungen, durch welche die Verhältnisse der Juden geregelt sind. In einem ersten Kapitel wird die Geschichte der judenfeindlichen Bewegungen seit dem Jahre 1875 eingehend behandelt, während in einem zweiten und dritten Kapitel die gegen die Juden erhobenen Vorwürfe einer Kritik unterzogen werden, aus denen ihre Haltlosigkeit klar hervorgeht. In einem vierten Kapitel wird die bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden mit den Christen behandelt. Sehr lehrreich und äußerst interessant ist das fünfte Kapitel, in welchen« die Verfassung der jüdischen Religionsgesellschaften in Preußen und in anderen Bundesstaate«« behandelt wird. Doch all dies bildet nur die Grundlage zu den praktischen Vorschlägen, «velche Herr Di-. Auerbach in dein sechsten Kapitel macht, betreffend die einheitliche Organisation des Judentu«ns in Preußen. Der Staat müsse in seinem eigenen Interesse eine solche anstreben und einführen, denn der

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