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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 285

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 285 (sequence 21)
Language
German
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285 Polar-Problemes genommen hatten, und kam dabei auf die einzelnen Forschungsreisen, welche diesem Ziele galten, zu sprechen. Er erwähnte unter Anderem auch den hervorragenden Anteil, welchen einzelne Juden an der geographischen und wissenschaftlichen Erschließung unseres Planeten genommen haben. Es wurde dabei der interessanten Thatsache Erwähnung gethan, daß fast keine einzige Expedition in die Wüste des Polarmeeres entsendet wurde, welcher nicht auch Juden als Naturforscher, Astronomen u. s. w. beigegeben gewesen wären. Sowohl die erste amerikanische Expedition unter Clißa Kent Kane, als auch die von Dr. Isaac Israel Hayes, ferner von Charles Francis Hall und endlich die österr. Ungar. Polarexpedition zählten Juden in ihrer Mitte, und als das Projekt von Weyprecht zur Errichtung internationaler Beobachtungs-Stationen zur Berwirklichung gelangte, war es wieder eine ganze Reihe von Juden, insbesondere auf amerikanischer Seite, welche ihre ganze Kraft in den Dienst der Wissenschaft stellten. Der Vortragende schloß mit folgenden Worten: „Allerdings sind die Wüsten des Eismeeres ein Gebiet, auf welchem weder nationale, noch konfessionelle Differenzen irgend eine Bedeutung haben, wo dagegen nur die persönliche Tüchtigkeit, Mannesmut und wissenschaftliche Befähigung den Ausschlag geben. An allem dem hat es aber unseren Stammesgenoffen nicht gefehlt." — Man schreibt aus Wrökberse: Der Temesvarer griechisch nichtunirte Bischof serbischer Nationalität, Herr Georg Hrankovih, besuchte anläßlich der amtlichen Bereisung seines Bistums auch unser Städtchen. Eine Deputation der hiesigen Jftaelitengemeinde unter Führung des Rabbiners Herrn Philipp Pollak machte ihre Aufwartung, und auf die Ansprache derselben gab der Bischof die folgende, hochbedeutsame Antwort: „Es freut mich, hier in Törökbecse bemerken zu können, daß alle Konfessionen friedlich neben einander leben. Nur das einträchtige und brüderliche Zusammenwirken aller Gesellschaftsklassen kann das Wohl des Staates fördern. Ich achte und schätze die Juden wegen ihrer Begeisterung für den Glauben, sowie wegen ihrer Opferwilligkeit; ich mahne auch bei jeder Gelegenheit meine Gläubigen, sich die Juden als Muster vor Augen zu halten. Die anderen Konfessionen können die Juden auch in kultureller Beziehung nie erreichen; denn Letztere sind schon jetzt weit vorgeschritten und machen noch immer rapidere Fortschritte, als alle anderen." — Der deutsch-nationale Verein in Wien ist durch Erlaß der Niederösterreichischen Statthalterei aufgelöst worden, weil er durch Verbreitung des Antisemitismus die verschiedenen Bevölkerungsklassen verhetzt und die konfessionellen und nationalen Gegensätze geschürt hat. — In einer der letzten Nummern der Wiener „Deutschen Zeitung" ergreift der Dichter Kosegger das Wort für seinen verstorbenen Freund Ködert Hamerling, um das Andenken des Toten gegen die antisemitischen Lobredner des Heimgegangenen Dichters in Schutz zu nehmen. Die „Antisemiten", so schreibt Rosegger, „machen in ihren Organen heftige Anstrengungen, der Welt weiß zu machen, daß der Dichter Robert Hamerling einer der Ihren wäre. Nun weiß ich aber, daß Hamerling kein Deutschnationaler und kein Antisemit im Sinne der sattsam bekannten Partei war. Er war es nie, und es lag ihm sehr daran, zu manifestireu, daß er es nie war, nie sein wollte, nie sein konnte- Als ich mich im Jahre 1885 gegen rohe und verlogene Antisemitenangriffe auf meine persönliche Ehre zu wehren hatte, stand Hamerling an nieiner Seite als guter Kamerad. „Was Sie erleben", schrieb er mir damals nach Krieglach, „das ist ein Zeichen der im Parteileben überhandnehmenden Gemütsroheit. Auf Ehrenerklärung und Widerruf von Seiten Ihrer Gegner würde ich an Ihrer Stelle nicht sonderlich

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