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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 278

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 278 (sequence 14)
Language
German
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278 Allerdings hatte er es seinem tiefen Wissen, seinen reichen Fachkenntnissen zu verdanken, daß sein Urteil so sehr geschätzt, sein Rat so gerne gehört wurde und daß er eines so wohlklingenden Rufes sich erfreuen durfte; allerdings war es auch seine Gesinnungsfestigkeit, seine Ueberzeugungstreue, sein standhaftes und mutvolles Eintreten für das, was er als wert und erstrebenswert erkannte, was ihm so treue Freunde, so warme Verehrer gewann; aber alle die glänzenden Vorzüge seines Geistes und seiner Gesinnung wurden von dem Lichte überstrahlt, das er im Innersten seiner Seele trug, von dem Schatze, den er ganz und voll besaß und den wir mit einem für jeden verständlichen Worte „das gute Herz" nennen. Das war der Grund, auf dem die Gediegenheit seines Wesens sich aufbaute; das war es, was uns Alle so sehr zu ihm hinzog. Er besaß ein Herz voll edlen Wohlwollens und freundlicher Menschenliebe. Er litt mit, wenn er andere leiden sah. Er hat denen, die seinen Rat verlangten, nicht nur ärztlichen, sondern auch menschlichen Beistand geleistet; die warme Theilnahme, die er ihnen spendete, war ihnen selbst schon ein heilender Balsam und an der schonenden Geduld und Aufmerksamkeit, die er ihnen widmete, konnten Sie es erkennen, daß er nicht nur in seinem Geiste, sondern auch in seinem Herzen darauf bedacht sei, ihnen zu helfen und Linderung ihrer Leiden zu bringen. Wie den Reichen war er auch den Armen ein treuer, ernster und freundlicher Berater, ja den letzteren auch ein liebreicher Wohlthäter, der sich mit erbarmendem Herzen ihrer annahm und das aus eigenen Mitteln hinzuthat, was zu ihrer Pflege fehlte und doch für sie so dringend nötig erschien. „Zur Höhe steige empor, da kannst du nicht untergehen". Dieses Schriftwort haben wir auch an dem Verewigten bewährt gefunden. Er hat zur Höhe des wahren Menschentums sich erhoben und nie in die Niedrigkeit des Geineinen und Verwerflichen sich hinabziehen lassen, wenn auch Andere dazu das Beispiel gaben und daran ihr Wohlgefallen fanden. Die Herzensgüte, die er besaß, war bei ihm keine Schwäche, die von Andern leicht mißbraucht werden konnte,, sie war seine Stärke, die ihm Kraft verlieh, für das Gute mit aller Hingebung einzustehen und alles Schlechte weit von sich hinwegzuweisen. Sein edles Herz war von weiser Einsicht geleitet und sein lichtvolles Verständnis für alles Edle und Hohe von der warmen Theilnahme des Herzens getragen. So hat er die hohen Ziele des edelsten menschlichen Strebens nicht nur erkannt, soildern sich auch für sie begeistert und in solcher Begeisterung in rastlosem Eifer ihnen nachgestrebt. Wir wissen, mit welcher Innigkeit, mit welcher Treue, mit welcher Festigkeit er der Lehre des Judentums anhing, wie sein Herz für das Recht und die Ehre unserer Glaubensgemeinde erglühte, wie er, als auch in unserer Mitte einst der Ruf ertönte: Wir müssen uns zur Höhe emporretten, damit wir nicht untergehen, wir müssen dem geistigen Leben des Judentums eine höhere Zufluchtsstätte schaffen, als einer der Ersten sich uns zugesellte, um unseren so segensreich wirkenden „Mendelssohn-Verein" ins Leben zu rufen, und mit welch' edlem Eifer, mit welch' treuer Hingebung er in dem Vorstande desselben, dem er bis zu seinem Tode angehörte, gewirkt hat. Kaum können wir es fassen, daß der Mann, der mit solch' hohem Streben und Schaffen sein Dasein ausfüllte, auf immer von uns geschieden sein soll und in der That wird sein kurzes Dasein von der Frucht seines reichen Wirkens und von dem schönen Beispiel, das er Anderen zur Nacheiferung gegeben, überdauert werden. Auch nach seinem Tode gilt von dem Verewigten das Wort: Zur Höhe steigst du empor, du gehst nicht unter! Sein Geist hat sich

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