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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 277

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 277 (sequence 13)
Language
German
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277 Arbeit und zur Arbeitsliebe. Das schafft das richtige Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter, wodurch beide wechselseitig auf ihr Heil und Wohl bedacht sind und sich als wohlthätige Ergänzung betrachten. Erzogen und gewöhnt sollen die Menschen zur Selbsthilfe werden. Nicht mühelos sollen oie Menschen auf Kosten anderer leben wollen. Das einzige, was sie erwarten sollen und beanspruchen diirfen, sei die wohlwollende Förderung der kleinen Anfänge und Bestrebungen Mittelloser von Seiten der Reichen, deren Hilfe und Unterstützung, um sich selber zu helfen. Wo aber Selbsthilfe aus Mangel an vorhandener Kraft nicht mehr platzgreifen kann, da muß dem Elend, der Not und dem Jammer nicht ein Almosen, sondern eine ausreichende Hilfe zu Teil werden. Die Sorge der Reichen, die Sorge der menschlichen Gesellschaft, die Sorge jedes Einzelnen muß sein, daß das Elend aus den Wohnungen der Menschen, aus dem Herzen und Leben der Menschen schwinde und Wohlbehagen überall einziehe. Die Reichen und die Armen, alle Klassen der menschlichen Gesellschaft sollen sich als göttliche Prinzen in der irdischen Residenz glücklich fühlen, und daruni muß es der erste und letzte Gedanke der Reichen sein, daß die Armen sich Wohlbefinden, denn mit deren Wohl bleibt ihr eigenes unzertrennlich verknüpft und vereint. Dr. med. Adolf Willner. Ein Gedenkblatt. (Rede gehalten an seinem Sarge am 5. November 1889 von Rab. vr. N. Brüll.) In den weitesten Kreisen unserer Stadt ist es nur mit tiefem und schmerzlichem Bedauern vernommen worden, daß der Verewigte, den wir heute auf seinem letzten Erdengange begleiten, durch einen so unvermuteten, so frühzeitigen Tod uns entrissen worden ist. Wen wir lieb haben, von dem trennen wir uns nicht gerne; wer uns treu und wohlgesinnt ist, den wollen wir nicht von uns hinwegziehen lassen. Und doch ist heute diese unerbittliche Notwendigkeit uns auferlegt, ist die Hand des Todes so bald dazwischengekommen, um den Mann, der uns allen so lieb, der den Seinen so wert und teuer gewesen, der Manchem wohl auch unentbehrlich geworden ist, in den schönsten Jahren von uns hinwegzunehmen und ihn in der Blüte seines Mannesalters den Gefilden des Erdendaseins zu entreißen. Wir können das beklagen, aber nicht ändern; vermissen werden wir den Heimgegangenen sehr oft, vergessen nie! Er ist uns allen lieb gewesen und hat es selbst nicht darauf angelegt sich beliebt zu machen. Er hat niemals Jemandem zu Gunsten geredet, nie seine Worte so abgemessen und sein Thun so eingerichtet, daß die Menschen ihm dafür ihre Gewogenheit und Zuneigung schenken müssen. Freie, feste und selbständige Gesinnung ging ihm über Alles, so daß er mit jenem Frommen der heiligen Schrift von sich sägen konnte: „ich weiß nicht zu schmeicheln", ich verstehe es nicht anders zu sprechen, als ich denke. Dennoch hat er in unserer Mitte eine Beliebtheit und Achtung sich erworben, die ihn seinen würdigsten Standesgenossen gleichstellte, eine Ächtung, die niemand, der ihn kannte, ihm zu versagen vermochte, die ihm von Jeden« gerne erwiesen u««d vergönnt worden ist.

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