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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 Pie sociake Irage im Judentum. Von Dr. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger in Teplitz. Einst traf R. Akiba den R. Taryphon und fragte ihn, ob er einverstanden sei, wenn er ihm eine Stadt kaufe. Alsbald übergab ihm R. Taryphon das Geld dazu. R. Akiba verteilte es den Armen. Als R. Taryphon wieder R. Akiba traf, verlangte er seine Gehöfte zu sehen, die er doch für ihn gekauft hätte. R. Akiba brachte das Buch der Psalmen und las ihm vor, bis er zur Stelle kam: „Wer ausstreut, den Armen giebt, dessen Frömmigkeit besteht ewiglich" (Pf. 112, 9). Das ist die Stadt, die ich dir erworben habe. R. Taryphon küßte R. Akiba und gab ihm noch mehr Geld, es den Armen zu verteilen?) Eleasar aus Bartota übte die Wohltätigkeit in solchem Maße, daß die Sammler von milden Gaben, wenn sie ihn aus der Ferne erblickten, ihm schon auswichen, denn alles, was er bei sich hatte, gab er ihnen. Eines Tages gieng er auf den Markt, um die Ausstattung für seine Tochter zu kaufen. Er bemerkte, daß die Sammler milder Gaben ihm auswichen. Alsbald lief er ihnen nach und sprach: Ich beschwöre euch, mir zu sagen, für welche Zwecke ihr sammelt. Für die Ausstattung eines Waisenpaares. Bei Gott, rief er, diese gehen meiner Tochter voran. Er gab ihnen alles, was er hatte, nur ein Sus blieb ihm zurück. Dafür kaufte er Weizen und legte sie in die Kammer zur Aufbewahrung. Die Mutter fragte die Tochter, was ihr der Vater gebracht habe. Alles, sagte sie, legte er in die Kammer. Sie öffneten die Kamnier und wollten eintreten, doch sie vermochten es nicht, so gefüllt war sie mit Weizen. Die Tochter lief nun hocherfreut in's Lehrhaus, um es dem Vater zu melden: Komm und sieh, rief sie, was dir dein Freund bescheert hat. Eleasar sprach: Alles sei den Armen geweiht, und du selbst sollst nur den Teil daran haben, den jeder andere Arme^) hat. Man hielt sich immer vor, Armut ist eine Krankheit, die jeden treffen kann, und die beste Vorsichtsmaßregel ist Wohltätigkeit, liebe Wohltätigkeit, so lange du es im Stande bist, und so bald sich dir die Gelegenheit bietet. Kommst du nicht selbst, so kann dein Sohn oder dein Enkel in die gleiche Lage kommen. R- Chija trug seiner Gattin auf: Bringe dem Armen, wenn er kommt, das Brot entgegen, damit die Armen es einst wieder deinen Kindern in gleicher Weise vergelten. Fluchst du etwa meinen Kindern? sprach die Frau. Nein, aber es heißt: Das Glücksrad dreht und wendet sich in der Welt?) Der Wohlthätige ist daher stets auf der Suche nach den Armen?) Einem Armen die Gabe, die er zu empfangen pflegte, zu entziehen, ist einer Beraubung des Armen gleichgehalten?) Zum mindesten ‘h Schekel soll jeder jährlich Almosen geben?) Selbst der Arme, der aus der Armenkasse ernährt wird, soll auch Almosen geben?) Die kleinste Gabe summiert Gott in der Zeit zur großen Zahl?) Deshalb soll man zu jeder Zeit zur Gabe bereit sein. Kommt der Arme des Morgens gebe man ihm, kommt er des Abends, gebe nian ihm wieder; denn man kann nicht wissen, welches Gott dem Menschen gut schreibt, und rechnet er ihm beides an, so ist um so besser."» Wird die Wohlthätigkeit im Hinblick auf einen zu erwartenden Lohn geübt, so ist sie dadurch nicht wertlos. Spricht Jemand: Ich spende diese Summe zu wohltätigen Zwecken, damit meine Kinder am Leben bleiben, oder damit ich die ewige Seligkeit dafür erlange, so kann er immerhin als ein wahrhaft Wohlthätiger gelten?") ‘) Tr. Kalah; -) Taanith 24; -) Sabbat 151; ") cbend. 101; -)Tanch. Lev. 25, 35: «) B. bathra 9; ’) Gitin 7; °) B. bethra 9; 9) M. r. Koh. N, 6; “>) Pesach 8.

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