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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 273

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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273 Thor ihres Palastes schreiben: Hier wohnt die glückliche Esterka, Schneiderstochter aus Opoczno, Königin in ihrem Hause!" * * Esterka schenkte dem König drei Kinder, zwei Söhne, Palka und Niemira, welche er christlich, und eine Tochter Rebekka, welche er im mosaischen Glauben erziehen ließ. Sie selbst lebte fronim, gottesfürchtig und in jeder Beziehung tadellos, ein Muster für die vornehmen Frauen Polens, deren Sitten leicht und roh waren. Sie beobachtete streng die Gesetze ihres Glaubens und erfüllte alle Pflichten einer jüdischen Frau mit Eifer und Lust. Niemals forderte sie die Welt heraus, sie zeigte sich weder öffentlich, noch ließ sie fremde Augen die königliche Pracht sehen, welche sie in Lobzow umgab. Doch gerade in ihrer Bescheidenheit, in ihren häuslichen Tugenden lag ein großer Teil ihres Reizes und ihrer Macht über den König. Bei ihr suchte er jeden Abend Erholung von den Staatsgeschäften. Kasimir der Große war den Juden stets geneigt gewesen und hatte sie durch seine Humanität und Toleranz mehr und mehr nach Polen gezogen.. Durch den Einfluß Esterkas wurde jedoch die Lage ihrer Glaubensgenossen noch um vieles günstiger. Der König verlieh den Juden zahlreiche, verbriefte Rechte und Vorteile und begünstigte ihre Ansiedlung in den Städten. Sogar in der Königsstadt Krakau räumte er ihnen ein Viertel ein, das zur Ehren ihres gütigen Beschützers von den dankbaren Israeliten Kasimierz genannt wurde und heute noch so heißt. Da die Juden gerade damals in Deutschland, Spanien und Portugal verfolgt wurden, zogen sie zu Tausenden nach Polen und brachten nicht nur ihre Reichtümmer an Geld und Gut in ihr neues Vaterland mit, sondern auch einen noch größeren Schatz, ihre Wissenschaft und ihre talmudische Gelehrsamkeit. So wurde Polen der Hauptsitz jüdischer Kultur. Aller Orten entstanden Schulen für das Talmudstudium, und die berühmten Lehrer derselben sahen bald Schüler aus allen Ländern herbeiströmen Für Polen ersetzten die Juden den Bürgerstand, an dem es in diesem Lande fehlte. Handel, Gewerbe und Industrie blühten durch sie auf und steigerten mächtig den natürlichen Reichtum des Landes. Nicht nur mit den benachbarten Deutschen, Russen, Ungarn und Wallachen, bis tief in den Orient hinein, wurden Handelsbeziehungen angeknüpft, die polnischen Juden wurden bald in kommerzieller, wie in geistiger Beziehung die Vermittler zwischen Morgen- und Abendland. Im Jahre 1364 stiftete Kasimir die Universität in Krakau. Im nächsten Jahr gab er den Städten feste Mauern und eigene Gerichte. Es gab noch immer Jntriguen gegen die schöne „Königin von Jerusalem", aber alle scheiterten an Esterkas Klugheit und ihrem ehrbaren Wandel. Bei ihr hatte König Kasimir gefunden, was ihm weder seine fürstliche Gemahlin, von der er geschieden war, noch die adeligen Damen, denen er den Hof gemacht, geboten hatten, Liebe, Treue, Faryilienglück. Wenn Kasimir zu ihren Füßen lag und Esterka im purpurnen Hernielinkaftan die Arme um ihn geschlungen hatte, dann war sie in der That Königin. Sie regierte ihn und durch ihn Polen. -st -i« Heute ist Lobzow ein Steinhaufen, in dem Schlangen und böse Geister hausen sollen. Wir meinen aber, daß es gute Geister sind, die über den epheuumrankten Trümmern schweben und echt jüdische Geister: der Geist der Liebe und der Geist der Familie. '

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