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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 272

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 „Dein Sklave," erwiederte er, „mit dem Du machen kannst, was Du nur willst." „Dann mache ich meinen Gatten aus Dir." „Wie Du willst," erwiderte Kasimir, „ich ergebe mich Dir auf Gnade und Ungnade." Schon am folgenden Tage fand die Vermählung des Königs mit der schönen Jüdin im Hause Meilechs statt. Der Kanzler Mnischek setzte die Heiratsurkunde auf, stellte die nötigen Fragen und sprach die Eheschließung feierlich aus. Der König selbst steckte den Ring au Esterkas Finger, und sie folgte seinem Beispiel Als Zeugen fungierten Wenglinski und der Starost von Sandomir. Es war die erste biirgerliche Ehe, die in dem christlichen Europa geschlossen wurde, und zugleich die erste Ehe eines Christen mit einer Jüdin. Nach dem Hochzeitsmahl, an dem nur die wenigen Vertrauten teilnahmen, zog der König selbst Esterka den rotsamtnen, goldgestickten Hermelinpelz an, den er für sie mitgebracht hatte, und nachdem sie sich ganz in weiße, undurchdringliche Schleier eingehüllt hatte, trug Kasimir die süße Beute auf seinen Armen hinaus und in den bereit stehenden Prachtschlitten. Beim silbernen Klang der Schellen und dem Schmettern der Trompeten, bei Fackelglanz und Peitschenknall zog Esterka als Herrin in dem Schlosse zu Lobzow ein, das Kasimir der Große, der reichste Herrscher Europas, niit königlicher Pracht ausgestattet hatte. Sie fühlte sich im Anfang betroffen und eingeschüchtert durch den Luxus, der sie umgab, aber ihr Herr und Gemahl, der König, wollte es so, und da sie nur von eineni Gedanken erfüllt war, dem, ihn glücklich zu machen, so fand sie sich auch in diese ihr erst fremde und unheimliche Umgebung. Am Hochzeitsabend hatte ihr der König selbst, nach polnischer Sitte vor ihr knieend, die roten Saffianstiefel, die sie trug, ausgezogen und ihr die kleinen, türkischen niit Gold gestickten und mit Hermelin gefütterten Pantoffel angezogen. „Nun, holdes Weib, bin ich nicht in der That Dein Sklave?" fragte er noch immer vor ihr auf den Knieen, mit einem glücklichen Lächeln. „Ja", erwiderte sie, während ihre schönen Arme aus dem weichen Duft des Hermelins hervorkamen, in den sie der König eingehüllt hatte, „Du bist es und Du sollst es bleiben. Mit unsichtbaren Ketten will ich Dich fesseln und mit einem süßen Joch beladen, aber ich werde Dir eine milde Herrin sein." Und sie hielt Wort. Sie verstand es so sehr Kasiniir, den flatterhaften, den das Volk, weil er ebenso weise als verliebt war, den Salomo Polens nannte, zu erobern und zu binden, ihn so vollständig glücklich zu machen, daß sie trotz ihres eingezogenen Lebens nur zu bald die Eifersucht der polnischen Damen von Adel erregte. Sie ließen ihr täglich neue Beschimpfungen an die Mauern von Lobzow schreiben wie: Schneiderstochter! — Hof einer Jüdin! — Königin von Jerusalem. König Kasimir geriet in Zorn darüber und wollte die Schuldigen bestrafen, doch Esterka begütigte ihn. „Was beweisen diese Aufschriften andres," rief sie lachend, „als daß wir glücklich sind, daß wir uns lieben mitten in einer Welt voll Mißgunst und Haß. Besser beneidet als bedauert zu werden." Ani folgenden Morgen ließ sie aber selbst so groß, daß man es weithin lesen konnte, und so hoch, daß es niemand auslöschen konnte, über das

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