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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-12-01 · Heft 12 (1.12.1889) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 12 (1.12.1889)
Date
1889-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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271 „Wollt Ihr mich besitzen?" „Ja." „Um jeden Preis?" „Um jeden." „Gut, dann tretet herein." Esterka führte ihn in ihre Stube, ließ ihn auf dem Polstersitz Platz nehmem und setzte sich an seine Seite. „Ich liebe Euch," sagte sie, „und will Euch gehören." „Esterka!" „Hört mich erst zu Ende. Ich will Euch gehören, doch niemals in einer Weise, die mir mein Glaube und die gute Sitte verbietet. Nehmt mich zur Frau." „Das ist nur dann möglich, wenn du dich taufen läßt." „Das werde ich nie." „Wie also?,, „Es genügt mir, wenn Ihr mich vor einer Amtsperson und zwei Zeugen zum Weibe nehmt, mir zugesteht, daß ich als Eure Frau meinen Glauben und meine Gebräuche befolge wie Ihr die Euren und daß die Mädchen aus unserer Ehe im mosaischen Glauben erzogen werden ebenso wie die Söhne, die ich Euch schenke, im christlichen, worüber ein Pergament in christlicher und hebräischer Schrift auszustellen und mit allen Unterschriften sowie mit dem königlichen Siegel zu versehen ist." „Was würden meine Großen sagen?" rief der König, „was mein Volk, wenn ich die Jüdin auf den Thron heben wollte!" „Den Thron will ich nicht," fiel Esterka ein, „nur dich. Ich will als deine Frau, einfach und bescheiden, fern dem Hofe, fern der Welt leben. Alles will ich dir opfern, nur meine Ehre nicht." „Ist dies dein letztes Wort, Esterka?" „Mein letztes, König Kasimir." Der König seufzte und stand auf. „Gib mir Bedenkzeit, ich werde mich mit meinen Getreuen beraten." „Thu es." Der König ging hinaus. Vor der Thüre wartete sein treuer Wenglinski mit den Pferden. Als Kasimir sich in den Sattel schwang, hielt ihm Esterka den Bügel, dann reichte sie ihm die Hand, und ehe sie es hindern konnte, hatte der König sie an seine Lippen gedrückt. * * Esterka saß eines Abends ani Fenster und blickte träumend hinaus in den Sturm der wirbelnden Schneeflocken. Die Ampel, die an eiserner Kette von der Decke herabfiel, hüllte sie geheimnisvoll mit ihrem roten Lichte ein und warf spielende Funken auf ihren mit goldigem Zobel besetzten und gefütterten Kaftan, der sie bis zu den Sohlen hinab einhüllte. Da sang die Thüre in den Angeln und König Kasimir stand auf der Schwelle. Esterka erhob sich rasch und breitete die Arme nach ihm aus, er aber warf den weiten Reitermantel und die Mardermtttze mit dem edelsteinbesetzten Reiher ab und warf sich zu ihren Fiißen nieder. „Mein König!" rief sie ihn zärtlich umschlingend.

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